Frage: Erinnern Sie sich noch an Ihre allererste Rolle?

Franziska Werner: In „König Lear“ habe ich die Cordelia gespielt – die ehrliche der drei Töchter.

Frage: Kommen Sie aus einer Theaterfamilie?

Werner: Nein, gar nicht. Aber mein Opa und sein Bruder konnten fantastisch malen.

Frage: Könnten Sie auch was Anderes machen als Schauspielern?

Werner: Ich schreibe gern und viel. Ich bin Sprecherin beim Rundfunk. Ich mache Musik, hab schon inszeniert. Wenn die Theaterrollen mich nicht mehr interessieren, höre ich auf. Aber Zukunftspläne in diesem Beruf sind ohnehin fast unmöglich.

Frage: Hat Theater Sie schon früh fasziniert?

Werner: Oh ja, schon in der Grundschulzeit. Ich war als Kind nie im Theater, doch ich wollte da unbedingt mitspielen. Und das hab ich dann auch viel gemacht.

Frage: Seit 2014 sind Sie am Staatstheater engagiert und in vielen Rollen aktiv. Lebt man da in einer eigenen Welt?

Werner: Phasenweise ist das schon so, besonders, wenn ich viel Text lernen muss. Da gibt es dann gar kein Privatleben mehr. Bei so aufwendigen Stücken wie „Supergute Tage“ oder „1984“ lebe ich manchmal wie auf einem eigenen Planeten. Dann wird das Ensemble zur Ersatzfamilie.

Frage: Was machen Sie, wenn Sie doch mal Zeit für sich haben?

Werner: Dann fahre ich mit dem Rad in die Natur oder spaziere stundenlang an der Hunte, Schafe besuchen.

Frage: In dieser Saison sind Sie am Staatstheater unter anderem in „1984“, „Effi Briest“, „Terror“ und „Supergute Tage“ zu sehen. Ist das die maximale Höchstbelastung, die man als Schauspieler erträgt?

Werner: Acht Stücke sind’s momentan, viel – aber gut, weil abwechslungsreich.

Es macht riesigen Spaß, besser als nur in einem Stück Abend für Abend aufzutreten. Auch wenn ich meist schmerzvolle Figuren spiele, was sehr herausfordernd sein kann. Aber die ganz leichtfüßigen Rollen wären nichts für mich. Ich brauche eine gewisse künstlerische Überforderung.

Frage: Sind Schauspieler für die Regie sprechende Werkzeuge?

Werner: Ich würde sagen, ich bin eine eigenständige Künstlerin, die sehr viel mitgestaltet.

Frage: Sind Sie der Schrecken der Regisseure?

Werner: Nein, ich hoffe nicht. Ich mache mir einen Berg Gedanken zu meinen Figuren, die meisten Regisseure und Regisseurinnen lassen mir da auch viel Freiraum. Aber ich lerne gern dazu, das kann ich nur, wenn ich offen für Ideen bin, die nicht meine eigenen sind. Eine glückliche Arbeit ist für mich eine Zusammenarbeit.

Frage: Was unterscheidet das Staatstheater von anderen Bühnen, die Sie schon kennengelernt haben?

Werner: Wir haben ein sehr sozial denkendes und agierendes Leitungsteam. Es wird auf Augenhöhe miteinander geredet. Und Männer und Frauen werden gleichbezahlt.

Frage: Sollte das nicht selbstverständlich sein?

Werner: Sollte es seit Jahrzehnten in allen Berufen. An einigen Theatern herrschen teilweise noch veraltete Rollenbilder und furchtbare Gehaltsunterschiede. Wir haben ja Solo-Verträge, die individuell ausgehandelt werden, und an den Theatern, an denen ich vorher war, haben Männer deutlich mehr bekommen.

Frage: In welchem Film hätten Sie gern mitgespielt?

Ich sehe den „Tatortreiniger“ gern, schade, dass der eingestellt wird. Und ich liebe zum Beispiel die Serie „Marvelous Mrs Maisel“, starke Frauenfiguren in den sechziger Jahren. Sehr berührend, sehr lustig und mutmachend.

Frage: Ist „Supergute Tage“ gerade Ihr Lieblingsstück?

Werner: Ja, so besonders, mir gleichzeitig fremd und sehr nah, so eine Aufgabe bekomme ich nie wieder.

Frage: Ist der abendliche Beifall die Belohnung für all die Mühsal?

Werner: Ach, ich bin da schon selbstkritisch, manchmal ist der Beifall sogar positiver als mein eigenes Empfinden.

Frage: Wie sieht Ihr Alltag aus?

Werner: Ich bin nicht gerade ein Morgenmensch. Wir proben meist von 10 bis 14 Uhr, dann ist Pause, Mittagessen und Textlernen, und anschließend Probe oder Aufführung von 18 bis 2223Uhr. Frauen müssen vor der Vorstellung meist ein- bis eineinhalb Stunden eher da sein.

Frage: Männer nicht?

Werner: Die werden seltener geschminkt. Ich finde unsere Maske toll, man kann durch Schminke Figuren erschaffen, das Alter beeinflussen. Die Maske macht uns wandelbar. Bei vielen Figuren finde ich das toll, manchmal denke ich, wir könnten öfter mal realistische Frauenbilder zeigen und wenn’s zur Figur passt, ungeschminkt auftreten. Das ist aber eine Typsache und außerdem Entscheidung des Kostümbilds.

Frage: Kommt man nach einer Vorstellung als Schauspieler eigentlich gleich zur Ruhe?

Werner: Wir sind Profis, wir können die Figuren hinter uns lassen. Nur das Adrenalin baut sich nicht so schnell ab.

Frage: Wollen Sie, wenn Sie durch die Stadt gehen, als Schauspielerin erkannt werden?

Werner: Nein, aber es stört mich auch nicht. Ich werde aber nicht viel erkannt, weil ich gern Brille und Mütze trage. Aber manchmal grüßen mich Leute, die ich nicht kenne. Die halten mich dann für eine gute Bekannte, und das finde ich famos.

Dr. Reinhard Tschapke Redaktionsleitung / Kulturredaktion
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