Kinder bei Bewerbung gut begleiten

Renate Marten-Meier (60) ist seit 35 Jahren Berufsberaterin. Sie äußert sich mit Blick auf das nächste Jahr.

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Berät Schüler und Eltern: Renate Marten-MeierBild: Agentur
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Frage: In einem Jahr schließt die nächste Schülergeneration die 9. oder 10. Klasse ab – was gilt es schon jetzt zu bedenken?
Marten-Meier: Das wichtigste ist, dass sie eine Idee entwickeln, was sie überhaupt möchten. Aber sie sind noch sehr jung und manche Eltern denken: Schule, Schule, Schule – je mehr, desto besser. Allerdings muss man auch wahrnehmen, dass wir heute eine gute Zeit haben, in der man relativ leicht einen Ausbildungsplatz finden kann.
Frage: Gehen viele Eltern damit zu unentspannt um?
Marten-Meier: Nehmen wir ein Beispiel: Bei nicht wenigen Kindern, die die 10. Klassen wiederholen, um den Erweiterten Realschulabschluss zu bekommen, wird mit der Erwartung auch der Frust immer höher. Das tut mir um die Kinder so leid. Da möchte ich schon mal sagen: Hey, es geht auch ohne Abitur! Auch nach einer Ausbildung geht es ja weiter, und die, die Potenzial haben, müssen sich sowieso keine Sorgen machen, ob sie weiterkommen.
Frage: Wohl auch im Blick auf die Fachkräfte-Situation.
Marten-Meier: Ja, die Unternehmen bilden ja auch selbst die eigenen Leute immer weiter aus, weil sie sie behalten wollen.
Frage: Worum sollten sich Eltern jetzt kümmern?
Marten-Meier: Was sinnvoll ist, ist Berufsberatung: Aufgreifen, was in der Schule dazu gemacht worden ist und zuhause darüber reden. Die Eltern kennen ihre Kinder gut. Es ist wichtig, dass sie zum Teil auch von ihren eigenen Erwartungen zurücktreten.
Frage: Wo verlaufen die groben Entscheidungslinien?
Marten-Meier: Zunächst stellt sich die Frage: Soll es eher etwas Kaufmännisches sein oder etwas Handwerkliches oder etwas Sozial-Pflegerisches? Wenn das klar ist, schaut man genauer hin. Wie weit ist ein Unternehmen entfernt? Auch: Ist es ein Unternehmen, in dem sich dieses Kind wohlfühlen könnte? Die Kinder sollen sich dort persönlich angenommen fühlen. Denn wenn sie sich wohlfühlen, geht ganz viel. Wenn man all das zuhause zum Thema macht, kommen Eltern und Kinder auch ins Gespräch. Bloß nicht die Kinder alleine machen lassen, sondern Hilfe und Unterstützung anbieten, auch beim Telefonieren.
Frage: Wann muss man sich bewerben?
Marten-Meier: Es gibt Faustregeln: für kaufmännische Berufe jetzt, bei größeren Unternehmen früher als bei kleineren. Es lohnt sich in jedem Fall, früh anzufangen.
Frage: Noch Tipps?
Marten-Meier: Ich würde Angebote wie die Messe „Job4u“ unbedingt nutzen, auch gerade wenn man in einen größeren Betrieb möchte. Ich empfehle, dort mit den Leuten am Stand zu reden und den persönlichen Kontakt zu suchen.
Frage: Auch hier gemeinsam?
Marten-Meier: Ja, das muss man begleiten. Einfach sagen: ,Komm’, wir gehen da zusammen hin, am Stand bleibt man in der zweiten Reihe und ermuntert das Kind, aktiv zu werden. Letztlich bleiben die Eltern in der Verantwortung, auch wenn es anstrengend ist, sich mit pubertierenden Kindern auseinanderzusetzen.
Frage: Gibt es da Hilfe von Ihnen?
Marten-Meier: Sicher, wir gehen in die Schulen und wir beraten von hier aus, auch mit Bewerbungsmappen-Check. Vor allem bei Jungs ist es oft so: Sie sind patent, aber sie kriegen genau das manchmal nicht so hin. Deshalb: Nehmt sie ernst und helft ihnen!
 Infos und Termine bei den Berufsberaterinnen der Arbeitsagentur gibt es unter der Hotline  Telefon  0800/4555500.
Im Internet kann man sich erste Informationen holen und einen Berufswahltest machen unter
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