Frage: Was erwarten Sie von der Anti-Missbrauch-Konferenz im Vatikan?
Sternberg: Es ist gut, dass es die Konferenz gibt, dass sich die Kirche als Weltkirche diesem Problem überhaupt stellt. Das ist keine nationale Frage. Keine Bischofskonferenz kann sich da mehr herausstehlen. Da wird es schon sehr wichtige Weichenstellungen geben. Doch sie kann nur ein Anfang sein. Die Täter müssen zur Rechenschaft gezogen. Und den Opfern muss geholfen werden, sie müssen entschädigt werden. Und das weltweit. Es ist wichtig, dass bei dieser Konferenz in Rom der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz deutlich wird. Alle müssen sich dem Problem stellen.
Frage: Wie steht es um die Aufarbeitung in den deutschen Bistümern?
Sternberg: In Deutschland hat die Aufarbeitung der Missbrauchsskandale längst begonnen. Die Bischofskonferenz ist hier schon tätig geworden. Es ist nicht so, als würden sich die Bistümer nicht um die Aufarbeitung der Skandale kümmern. Aber das geschieht nicht überall gleich. Es gibt verschiedene Ansätze, und es fehlt ein einheitliches Konzept für Aufarbeitung und Prävention.
Frage: Ist es nicht Zeit für eine umfassende öffentliche Entschuldigung?
Sternberg: Was nutzen solche offiziellen Erklärungen der Öffentlichkeit und dem Opfer? Der Papst hat ja bereits ein Mea Culpa ausgesprochen. Wichtiger ist, dass es Möglichkeiten gibt, zwischen Tätern und Opfern zu Gesprächen zu kommen.
Frage: Wie lässt sich verloren gegangenes Vertrauen in die Kirche zurückgewinnen?
Sternberg: Das ist ein sehr mühsamer Prozess. Es muss deutlich werden, dass man dieses Thema sehr ernsthaft angeht. Da ist bereits viel in Deutschland geschehen. Die katholische Kirche hat selbst die Studie 2010 in Auftrag gegeben. Da ist natürlich noch viel zu tun. Das Aufeinanderzugehen kann vielleicht dazu führen, dass man Vertrauen wieder zurückgewinnt. Wir werden diese Aufklärungsarbeit in unserer Kirche in Deutschland so intensiv, so genau und vorbehaltlos leisten müssen, dass das Maßstäbe auch für andere setzt. Das muss vorbildlich sein.
Andreas Herholz Korrespondentenbüro Berlin
Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.