Frage: Vor 100 Jahren starb Carl Hagenbeck. Sein gitterloser Zoo war damals eine Sensation. Setzen die meisten Zoos heute auf die gitterlose Gestaltung?

Pagel: Viele, aber es gibt auch klassische Zwingeranlagen, in kleineren Zoos etwa. Zwingeranlagen, die für das Tier übrigens nicht schlecht sein müssen. Das ist eher unser optischer Eindruck und unser emotionales Empfinden, dass man sagt: Das ist schön – und wenn wir das so empfinden, dann geht es dem Tier auch gut. Also ein Affe hat kein Problem damit, im großen Gitterkäfig gehalten zu werden.

Frage: Lassen sich derzeit bestimmte Tierparks-Trends ausmachen?

Pagel: Ein Trend, den man weltweit im Moment beobachten kann, ist die Etablierung von riesigen, aber wirklich riesigen Aquarien. Ob man nun nach China, Japan oder in die USA fährt, man findet inzwischen oft mit mehreren Millionen Liter Inhalt gefüllte Becken, die zum Teil durch Glastunnel durchquert werden können – ein Trend der zu Hagenbecks Zeiten einfach technisch noch nicht möglich war.

Frage: Sorgen Freizeit­attraktionen für mehr Konkurrenz?

Pagel: Wir standen schon immer in Konkurrenz zu allem, was man sonst in der Freizeit machen kann. Man hat eben nur einmal Zeit und nur einmal Geld, und wenn man sonntags irgendwohin geht, dann als Kölner etwa ins Phantasialand oder zu uns – aber nie zu beidem. Durch das zunehmende Angebot, das wir in Städten wie Hamburg oder Köln haben, gibt es natürlich mehr Konkurrenz für uns. Aber große Zoos wie Leipzig oder Dresden haben sich im Gegenteil eher weiterentwickelt.

Frage: Wünscht sich jeder Tierpark einen Eisbär Knut?

Pagel: Nein, weil das durchaus missverständlich interpretiert werden konnte. Wir wünschen uns Tiere, die die Möglichkeit haben, in ihrer sozialen Gruppe aufzuwachsen – wir ziehen nur gelegentlich Tiere auf. Das Phänomen Knut war ja auch nicht vom Zoo gemacht, sondern von den Medien, weil der kleine Eisbär das Kindchenschema bediente.

Frage: Also lieber keinen solchen Trubel wie um Knut?

Pagel: Wir wünschen uns keine Knuts der Welt, aber weiterhin hohe Akzeptanz für Zoos, damit wir Menschen bilden und für den Natur- und Umweltschutz sensibilisieren können. Wir wollen unsere Tiere als Wildtiere sehen und halten.

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