Hude /Neuenwege Wolfgang Martens, Allgemeiner Vertreter des Bürgermeisters, ahnte schon vorher, was kommen würde: „Man sollte die Erwartungen an den Vortrag nicht zu hoch schrauben“, baute der Verwaltungs-Vize am Mittwochnachmittag im Ausschuss für Gemeindeentwicklung und Umwelt vor.

Gemeint waren die Ausführungen von Planer Helmut Rolfes (Niedersächsische Landgesellschaft), der den Auftrag hatte, binnen einer Woche eine kostengünstigere Lösung für die Oberflächenentwässerung im geplanten Gewerbe- und Industriegebiet „Holler-Neuenwege“ zu finden. In der vergangenen Woche hatte die Nachricht, dass ein 1,4 Hektar großes Regenrückhaltebecken mit 560 000 Euro zu Buche schlägt und die Erschließungskosten auf rund 1,6 Millionen Euro ansteigen lässt, im Ausschuss für Entsetzen gesorgt. Um es vorweg zu nehmen: Rolfes hatte am Mittwoch keine billigere Lösung parat – im Gegenteil: Sein Alternativ-Vorschlag schloss mit einem Betrag von rund 1,75 Millionen Euro ab. Um den Wasser-Stauraum um 25 Zentimeter zu erhöhen und die Becken-Fläche zu verkleinern, regte Rolfes an, die Erschließungsstraße auf 80 Zentimeter über Geländehöhe anzuheben. Zwar könnten mit der Becken-Verkleinerung 125 000 Euro eingespart und mit dem Verkauf der dadurch zusätzlich zur Verfügung stehenden Gewerbefläche (5800 m²) 145 000 Euro mehr eingenommen werden. Kosten in Höhe von 442 000 Euro für das Auffüllen des Geländes machen diese Alternative jedoch zur Minus-Rechnung.

Verkaufspreis bleibt „marktgerecht“

Die Ausbauplanung für das Gewerbegebiet „Holler-Neuenwege“ ist Grundlage für einen Zuschussantrag. Erfüllt sich die Hoffnung der Gemeinde auf 30-prozentige Förderung aus dem EU-Programm „Wirtschaftsnahe Infrastruktur“, geht Verwaltungs-Vize Wolfgang Martens davon aus, dass es trotz der Erschließungsmehrkosten am geplanten Verkaufspreis für die Grundstücke „keine maßgebliche Änderung“ gibt.

Kalkuliert wird mit 25 Euro pro m² – laut Martens ein marktgerechter Preis.

Hermann Dunkler-Gronwald (SPD) nannte das Ergebnis „total unerfreulich“. Wilfried Siems (CDU) war enttäuscht, dass „keine vernünftigen technischen Lösungen“ vorgeschlagen wurden, Hilko Finke (Grüne) zeigte sich schlichtweg „erschrocken“.

Hans-Rudolf Werner vom Planungsbüro Ingwa sprang seinem Ingenieurskollegen zur Seite: „Hier kommen viele ungünstige Faktoren zusammen.“ Eine Versickerung sei in diesem Gebiet wegen des hohen Grundwasserstands nicht möglich, so Werner. Auf eine Abdichtung des Beckens zu verzichten, komme für den Landkreis als Genehmigungsbehörde nicht in Frage. Und ein Pumpwerk zu bauen, sei die „teuerste Entwässerungslösung überhaupt“.

Für Bürgermeister Axel Jahnz ergab sich daraus die Konsequenz, dass man „die 1,6 Millionen Euro fürs große Regenrückhaltebecken nicht wegbekommt“.

CDU-Fraktionschef Horst Linnemann warnte dagegen davor, der Ausbauplanung „koste es was es wolle“ zuzustimmen. Auf seinen Antrag hin wurde über das Thema am Abend nicht-öffentlich weiterverhandelt. Im Ergebnis hat der Ausschuss zu späterer Stunde einem Straßenausbau ohne Gehweg und einer Oberflächenentwässerung in Form von Regenrückhaltesystemen – und damit grundsätzlich der 1,6-Millionen-Variante – zugestimmt. Es soll weiterhin versucht werden, die Lösung zu optimieren. Dem Rat wurde empfohlen, die erforderlichen Mittel zur Verfügung zu stellen. Für 2013 stehen nur 500 000 Euro im Haushalt bereit. Um die Differenz aufzufangen, wird nach Ansicht von Verwaltungs-Vize Wolfgang Martens ein Nachtragshaushalt nötig werden.

Stephan Onnen Redakteur / Redaktion Oldenburg
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