Oberhausen /Hude An drei langen Tischen sitzen die Senioren verteilt und lassen es sich gut gehen. Brötchen, Kaffee und reichlich Aufschnitt sind an den Plätzen verteilt, Kerzen und Tulpen zur Dekoration aufgestellt. Es herrscht eine gesellige Atmosphäre mit angeregten Gesprächen bei den 36 Teilnehmerinnen und drei geladenen Gästen – sowie dem einen Teilnehmer. Werner Mahlstede ist der einzige Mann, der an diesem Mittwochvormittag in die Gaststätte „Zur Krone“ in Oberhausen gekommen ist.

Brauchen mehr Männer

„Wir brauchen unbedingt mehr Herren“, sagt deshalb Julianna Grätz. Sie hat die Organisation des Senioren-Singleclubs „Wöschenland“ vor zwei Jahren von Hanna Mönnich übernommen. Inzwischen gibt es seit 20 Jahren alle sechs Wochen die Möglichkeit zum Frühstück. Zum Jubiläum waren auch Pastor Udo Dreyer, Seniorenvertretung-Vorsitzende Helga Gritz und Hudes Bürgermeister Holger Lebedinzew zu Gast.

Im Februar 1999 hatte das erste Treffen stattgefunden. Die Idee, alleinstehende Ältere zum Frühstück einzuladen, kam damals von Erich Speckmann, der in Wirtin Elfriede Schütte und Marianne Kunst, die immer noch an den Treffen teilnimmt, sofort Unterstützerinnen fand.

Am Tisch plaudert Werner Mahlstede mit Pastor Dreyer. Er kommt seit acht Jahren regelmäßig zum Frühstück. Für den 97-Jährigen ist es aber kein Wunder, dass es nicht mehr männliche Verstärkung gibt. „Die Frauen ärgern die Männer ja immer“, sagt er schmunzelnd. Das ist natürlich scherzhaft gemeint – Männer sind bei den Treffen gerne gesehen. Schließlich handelt es sich ja auch um einen Singleclub. Dabei stehen das Kennenlernen und der Austausch im Vordergrund. Aber auch Verlieben ist erlaubt. So seien bereits Lebenspartnerschaften aus den Treffen entstanden, berichten einige Teilnehmerinnen.

Heiraten ist Tabu

Geheiratet haben die Pärchen aber nie. „Dürfen sie auch nicht“, weist Helga Gritz auf einen NWZ-Zeitungsartikel aus dem Jahr 2009 hin, dessen Überschrift lautete „Heiraten gilt im Single-Club als Tabu“. Dann wären die Teilnehmer ja keine Singles mehr. Ein weiterer Artikel trug im Jahr 2011 den Titel „Aus einer Schnapsidee wird Tradition“.

Laut Holger Lebedinzew sollten Singleclubs viel öfter vorkommen. „Das ist eine einzigartige Idee, die unbedingt nachahmenswert ist“, sagt der Bürgermeister. Bei Organisatorin Julianna Grätz bedankte er sich für ihren Einsatz mit Blumen und einer Urkunde. Auch Udo Dreyer ist von der Vergemeinschaftung angetan. „Das ist ein Highlight für die Menschen, das nicht verpasst werden darf“, sagt der Pastor. Gemeinsam mit dem Kirchenkreis unternehme man regelmäßige Ausflüge.

Tatsächlich hat der Singleclub weiter Zulauf. Allein am Mittwoch waren vier neue Besucherinnen dabei. Eine davon ist Inge Pieper. Die Wüstingerin schätzt die offene Runde, in der man über alles reden könne, und will wiederkommen. Vielleicht finden beim nächsten Treffen ja auch weitere Männer den Weg zum Frühstück. Infos gibt es unter Telefon  0152/56 76 05 53.

Arne Jürgens Redakteur / Redaktion Bad Zwischenahn
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