Hamburg Der Machtkampf um die Besetzung des Aufsichtsrats beim Hamburger SV geht Heribert Bruchhagen ziemlich auf die Nerven. Aber der 69-jährige Vorstandsvorsitzende muss gute Miene zum ärgerlichen Spiel machen. „Der Vorstand hat nicht das Recht und nicht die Pflicht, zu diesen Dingen Stellung zu nehmen“, sagt Bruchhagen angesäuert und fügt versöhnlich an: „Ich habe mit Herrn Kühne einen sehr guten und freundschaftlichen Austausch.“

Klaus-Michael Kühne hat in einer Presseerklärung rund um das Volksparkstadion für mächtig Wirbel gesorgt. Der wichtigste private Gesellschafter der Fußball-AG drohte, den Geldhahn zuzudrehen, falls es keinen „von mir befürworteten, unabhängigen und kompetenten Aufsichtsrat“ geben sollte. Die kolportierten Kandidaten lassen ihn schaudern, da sie sich „nicht aus unabhängigen Persönlichkeiten zusammensetzen, die über Führungs- und Wirtschaftskompetenz verfügen, sondern aus größtenteils vereinsabhängigen Personen, die einseitig von Vereinspräsident Jens Meier nach Anhörung eines Beirats bestimmt werden sollen“, polterte der Logistik-Unternehmer.

„Erpresser“, schreien die einen, „er hat ja so recht“, johlen die anderen. An diesem Mittwochabend will der Aufsichtsrat tagen und die Wogen glätten. Ratsmitglied Jens Meier, Präsident des HSV e.V., muss seine Vorstellungen erläutern, wie es ohne einen Kühne-Mann im Rat funktionieren soll. Kühnes Abgesandten, den Wirtschaftsmanager Karl Gernandt, will Meier nicht mehr.

Eine Möglichkeit, dass Meier doch auf Kühne zugehen kann, gibt es aber: Der vom e.V.-Chef für den Rat vorgesehene Karl J. Pojer, Vorsitzender von Hapag-Lloyd-Cruises, hat seine Kandidatur offiziell zurückgezogen. Damit könnte der Weg für einen Kühne-Vertrauten frei sein.

Kühne ist mit 20,57 Prozent der zweitgrößte Anteilseigner an der AG nach dem HSV e.V. (derzeit 76,19 Prozent). Mit seinen Anteilskäufen und Darlehen hat er dem HSV schon zweimal die Lizenz gerettet. Nach eigenem Bekunden hat er 60 Millionen Euro in den HSV gepumpt.

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