Hamburg Hafencity, beste Lage, mit Blick auf die imposante Elbphilharmonie. Hier, im Firmensitz des Investors Klaus-Michael Kühne, sollte es am späten Mittwochabend eigentlich zum großen Friedensgipfel beim Hamburger SV kommen. Doch stattdessen geht nach einer Aufsichtsratssitzung der Machtkampf um die neue Zusammenstellung des Gremiums weiter. Geldgeber Kühne und Jens Meier, Präsident des Stammvereins, zanken sich immer noch um die Besetzung.

Bei dem Treffen „haben der Vorstand und der Aufsichtsrat der HSV Fußball AG beschlossen, die anstehende Hauptversammlung innerhalb der gesetzlich vorgeschriebenen Frist im ersten Quartal 2018 durchzuführen“, teilte der Club mit. Übersetzt bedeutet das: Man hat sich nicht auf die sechs Kandidaten einigen können. Die Neubesetzung der Kontrolleure, eigentlich für die Hauptversammlung am 18. Dezember geplant, wurde auf Anfang des nächsten Jahres verschoben.

Neben einigen Hamburger Persönlichkeiten gilt auch der ehemalige Profi Marcell Jansen als Kandidat für den Aufsichtsrat, der 32-Jährige liebäugelt öffentlich mit dem Posten. „Ich kann mir das prinzipiell vorstellen, weil es mir um den Verein geht und nicht um Einzelschicksale“, sagte Jansen dem Onlineportal „Sportbuzzer“: „Wenn Menschen davon überzeugt sind, dass ich mit meiner Art irgendwas zum Gesamtwerk beitragen kann – und sei es auch nur als Puzzle, dann wäre ich bereit.“

Meier habe Jansen angesprochen, „und ich habe ihm gesagt, dass ich mich dem Verein verbunden fühle. Das hat man sieben Jahre lang als Spieler gesehen, ich bin Stiftungsgesicht des Hamburger Wegs und in anderen Bereichen des Vereins involviert“, so Jansen: „Ein Verein muss aus sich heraus stark sein und darf nicht extern geführt werden. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Herr Kühne ein rein geschäftliches Interesse am HSV hat. Ein Investor wird nicht zurückerhalten, was er in den Fußball steckt.“

Kühne indes hatte die Vorschläge von Meier zuletzt mit deftigen Worten abgelehnt. Der Unternehmer hatte dem Bundesliga-15. gedroht, nur dann seine finanzielle Unterstützung fortzuführen, „wenn er über einen von mir befürworteten, unabhängigen und kompetenten Aufsichtsrat verfügt“. Kühne hat zwar keinen rechtlichen Anspruch, in dieser Frage mitzureden. Allerdings hat man beim HSV kein gesteigertes Interesse daran, dass es zum Bruch mit dem Milliardär kommt.

Kühne befürchtet offenbar, dass Meier das Gremium mit eigenen Gefolgsleuten besetzen will. Kühnes Vertrauter Karl Gernandt, einst Chef des Gremiums und derzeit einfaches Mitglied, scheidet aus.

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