FRANKFURT Die Hilfsmilliarden fließen weiter nach Athen, so viel ist sicher. Doch wem nutzt das eigentlich? Den Griechen? Europa? Oder den Banken?

Für Kritiker wie Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn ist die Antwort eindeutig. Der Ökonom sagte „Spiegel Online“: „Es geht hier gar nicht so sehr um das Land. Die Griechen werden von den Banken und Finanzinstituten von der Wall Street, aus London und Paris als Geisel genommen, damit das Geld aus den Rettungspaketen weiter fließt – nicht nach Griechenland, sondern in ihre eigenen Taschen.“

Befürworter der Hilfen warnen im Falle einer Griechenland-Pleite oder eines Austritts des Landes aus dem Euro vor einem Schock wie nach der Pleite der US-Bank Lehman Brothers 2008.

„Das Problem ist der schlecht zu prognostizierende Domino-Effekt“, erklärt Ernst & Young-Bankenexperte Dirk Müller-Tronnier. Investoren könnten „die Architektur des Währungsraums“ generell infrage stellen, warnte der Chef der Osteuropabank EBRD, Thomas Mirow.

Fakt ist: Banken und Versicherungen sollen auf mehr als die Hälfte ihrer Forderungen an den griechischen Staat verzichten – „freiwillig“. Einen solchen Schuldenschnitt haben die meisten Institute schon einkalkuliert. Fakt ist allerdings auch: Sollte die Rettung Griechenlands scheitern, würden viele Gläubiger ganz leer ausgehen.

Staatsanleihen als Anlage werden von Finanzprofis künftig wohl anders bewertet werden. Dass Gläubiger nun auf den Löwenanteil ihres Einsatzes verzichten sollen – und womöglich per Gesetz von Athen dazu gezwungen werden –, nennt Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann eine „historische Trendwende“: „Dafür werden wir einen hohen Preis zahlen müssen, unter anderem in Form höherer Zinsen, die Investoren von vielen Regierungen verlangen werden.“

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