POTSDAM Rot/Schwarz, Rot/Rot oder Ampel – noch nie waren in Brandenburg die Aussichten auf Regierungsbündnisse bunter als vor der Landtagswahl am 27. September. Schafften 1994 nur SPD, CDU und PDS (später Linke) den Sprung ins heute 88 Mandate zählende Parlament, kam 1999 lediglich die rechtsextreme DVU, die nun mit Spitzenkandidatin Liane Hesselbarth um Stimmen kämpft, hinzu. Die DVU wird laut Umfragen nach zehn Jahren draußen bleiben.

Dafür könnten Bündnis 90/Die Grünen mit Spitzenkandidatin Marie Luise von Halem, und FDP einrücken. Die beiden „Kleinen“ liegen erstmals seit 15 Jahren stabil an oder über der Fünf-Prozent-Marke, so dass ihre Spitzen bereits von einer Koalition mit der SPD träumen. „Brandenburg muss sich jetzt zwischen einer Linksfront und der bürgerlichen Mitte entscheiden“, warnte der FDP-Spitzenkandidat und -Generalsekretär Hans-Peter Goetz nach den Landtagswahlen in Sachsen, Thüringen und im Saarland. Schwarz-Gelb ist wegen der chronischen Schwäche der CDU (22 Prozent in Umfragen) keine Option.

Die märkischen Sozialdemokraten – derzeit bei 31 Prozent – werden mit einiger Sicherheit wieder ihr eigener Königsmacher sein, mit Matthias Platzeck auf dem Thron. Obwohl von CDU um Spitzenkandidatin Johanna Wanka und Linke massiv umworben, werden

der Regierungschef und sein Generalsekretär Klaus Ness nicht müde zu betonen, dass die SPD bei der Wahl mit Abstand stärkste Kraft werden wolle.

Schnittmengen gäbe es mit allen denkbaren Partnern – aber auch zum Teil schwer überbrückbare Gegensätze. Der größte gemeinsame Nenner wäre wohl die Bildungspolitik. Vorrangig wird es darum gehen, für die nächsten Jahre genügend Lehrer einzustellen und ausreichend Schulen im ländlichen Raum zu erhalten.

Einige von der SPD als „unverhandelbar“ erklärte Ziele würden eher Rot-Rot als die Fortsetzung der Koalition mit der CDU wahrscheinlich machen: die Einführung eines Schüler-Bafögs, ein Gesetz zur Vergabe öffentlicher Aufträge nur an Firmen, die Tariflohn zahlen, sowie ein gesetzlicher Mindestlohn. Zu alldem hat die Linke schon Zustimmung signalisiert, während die Christdemokraten die Forderungen ablehnen.

„Wir sind bereit zu regieren. Wir haben die Leute und die Inhalte“, sagt Linken-Spitzenkandidatin Kerstin Kaiser. Ihre Partei kommt in Umfragen derzeit auf 28 Prozent. Der Linken könnte helfen, dass die SPD-Spitze die seit geraumer Zeit zur Schau getragene Geschlossenheit ihres Koalitionspartners CDU für trügerisch hält. Dort steht zwar nach innerparteilichem Machtkampf inzwischen Kulturministerin Johanna Wanka an der Spitze. SPD-Generalsekretär Ness sieht darin nur einen Burgfrieden. Dieser könnte nach der Wahl vom Lager des stellvertretenden CDU-Vorsitzenden Sven Petke aufgekündigt werden.

In einer möglichen Ampelkoalition wiederum wären vor allem die Grünen für die SPD ein harter Brocken, lehnen sie doch die bisherige Energiepolitik der Regierung mit ihrem Schwerpunkt auf dem Braunkohletagebau ab.

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