HANNOVER Der Ministerpräsident gab sich locker und entspannt. Am Morgen hatte er 14 Firmen auf der Hannover Messe besucht, am Abend standen drei Reden auf dem Programm. Dazwischen verkündete Christian Wulff seine Kabinettsumbildung. Wochenlang hat der Regierungschef geschwiegen, um dann energisch durchzugreifen. Gleich vier CDU-Minister müssen die Regierungsbank verlassen und sich wieder in die Fraktionsreihen setzen.

Sehr kurzfristig hatte Wulff Lutz Stratmann (Wissenschaft), Elisabeth Heister-Neumann (Kultus), Hans-Heinrich Ehlen (Landwirtschaft) und Mechthild Ross-Luttmann (Soziales) über seine Entscheidung informiert. Am Montag verabschiedeten sich drei Minister mit persönlichen Erklärungen. Stratmann sagte seinen für Mittwoch geplanten Messe-Besuch und andere Termine ab.

So erwartungsgemäß die Auswechselungen waren, so überraschend kamen die Einwechselungen. Dass Kultusstaatssekretär Bernd Althusmann die glücklose Heister-Neumann ablösen würde, war allgemein erwartet worden. Die drei Frauen, die Wulff aus dem Hut zauberte, hatte dagegen kaum jemand auf der Rechnung. Eine Regierung zeichne sich auch dadurch aus, „dass sie sich selbst erneuert“, sagte der Regierungschef bei der Vorstellung der neuen Minister im Gästehaus der Landesregierung. Es gehe darum, die Weichen für 2020 zu stellen. „Kein Kabinettsmitglied hat sich etwas zuschulden kommen lassen.“

Die größte Überraschung ist wohl die Berufung der 38-jährigen Aygül Özkan für das Sozialressort. Mit der Deutsch-Türkin aus Hamburg wird erstmals eine Frau mit ausländischen Wurzeln Ministerin in Deutschland. Als Begrüßungsgeschenk bekam Özkan gleich noch die Zuständigkeit für das Thema Integration von Innenminister Uwe Schünemann (CDU). Dafür muss sie die frühkindliche Bildung und Staatssekretärin Christine Hawighorst (CDU) an das Kultusressort abgeben. Neuer Staatssekretär im Sozialministerium wird der Lingener Oberbürgermeister Heiner Pott (CDU).

Özkan gab sich selbstbewusst. „Das wird nicht vom Finanzminister alleine entschieden“, antwortete sie auf die Frage nach möglichen Sparvorgaben für ihr Ministerium. Auch vor einer Konfrontation mit Schünemann bei der Ausländerpolitik scheut sie sich offenbar nicht.

Nicht ganz so ausgeruht kam die neue Landwirtschaftsministerin Astrid Grotelüschen (Ahlhorn) zur Vorstellung. Wegen des Flugverbots durch die Aschewolke musste sie mit dem Auto 20 Stunden von Venedig nach Hannover fahren. Grotelüschen ließ sich dadurch die Laune nicht vermiesen. „Wir wollen Agrarland Nummer eins bleiben“, sagte sie.

Während die Landtags-Opposition die Kabinettsreform als „Bankrott-Erklärung“ und „Verzweiflungstat“ bezeichnete, gab es von den Regierungsfraktionen Lob. Dass keiner der neuen CDU-Minister aus der Fraktion kommt, löste allerdings auch Verwunderung aus. Fraktionschef David McAllister und Parlamentsgeschäftsführer Björn Thümler (Berne) hatten angeblich abgewunken.

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