Von THORSTEN Langenbahn

Frage: Wie gefährlich ist die Notreparatur an der Discovery für die Crew?

Wittig: Man darf eine solche Reparatur nicht auf die leichte Schulter nehmen. Auf der anderen Seite bin ich sicher, dass die Astronauten den Schaden, so wie er sich im Augenblick darstellt, in den Griff bekommen werden.

Frage: Wie groß ist nach abgeschlossener Reparatur noch die Ungewissheit darüber, was beim Eintritt in die Erdatmosphäre passieren wird?

Wittig: Wenn sie die herausragenden und abgeplatzten Stellen ausbessern, sehe ich das Problem nicht mehr als übergroß an. Natürlich gibt es immer eine gewisse Gefährdung, aber ich glaube nicht, dass diese Stellen für eine Katastrophe Anlass geben würden. Bei den über hundert Shuttle-Flügen sind fast nach jedem Flug Schäden an den Kacheln festgestellt worden.

Frage: Was war beim Columbia-Desaster anders?

Wittig: Bei der Columbia war es deswegen so katastrophal, weil es praktisch vorne an der Flügelspitze war und da die besonders heißen Temperaturen herrschen und auch die Strömung besonders kritisch ist. Es sind jetzt also völlig andere Bedingungen.

Frage: Wie sehen mögliche Notfallpläne aus?

Wittig: Der erste Notfallplan war die Ausbesserung. Der zweite, sagen wir mal, Extrem-Notfallplan ist ein Rettungsflug. Dafür steht die Atlantis bereit. Ein dritter, ganz extremer Notfallplan wäre die Einbindung der russischen Sojus-Kapsel.

Frage: Glauben Sie, dass die Discovery-Crew nächsten Montag planmäßig landen wird?

Wittig: Das glaube ich. Ich bin allerdings sehr froh, dass ein weiterer Tag hinzu gekommen ist. Das nimmt den Zeitdruck etwas heraus.

Frage: Inwiefern haben die Probleme Auswirkungen auf europäische Projekte?

Wittig: Die haben höchst unangenehme Auswirkungen. Erstens, der für September geplante Flug des deutschen ESA-Astronauten Thomas Reiter wird sich wahrscheinlich verzögern. Der nächste Flug könnte im November oder erst wieder Anfang nächsten Jahres stattfinden, weil bestimmte Flugbahnbedingungen der Raumstation berücksichtigt werden müssen.

Frage: Und zweitens?

Wittig: Das zweite, noch gravierendere Problem ist für mich, dass wir wahrscheinlich eine Verschiebung des Transportes des Columbus-Raummoduls erleben werden. Das ist das europäisch-deutsche Labor, dessen Andocken wir schon in diesem Jahr erleben sollten, das wegen Columbia dann aber auf Anfang des Jahres 2007 verschoben werden musste. Jetzt wissen wir nicht, wann das geht. Das ist für uns höchst unangenehm, denn alle Experimente und wissenschaftlichen Analysen müssen wieder verschoben werden.

Mehr Infos unter: www.dlr.de

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