BERLIN /GöTTINGEN BERLIN/GÖTTINGEN/DPA - Die gestiegene Mobilität der modernen Gesellschaft verstärkt nach Ansicht der Göttinger Soziologin Claudia Diehl die Auswanderung aus Deutschland. Dass Menschen dauerhaft im Ausland bleiben, wird oft in Gesellschaften mit einer hohen Flexibilität beobachtet. Das ist Diehls Hauptthese. Diehl beobachtete vor allem deutsche Auswanderer in den USA.

Stark zugenommen habe in den vergangenen Jahren die Anzahl höher qualifizierter Deutscher, „die eine Zeit lang in die USA gehen“. „Von denen bleibt sozusagen immer ein bestimmter Prozentsatz kleben. Das ist genauso, als gingen tausend Leute zum Studieren nach Hamburg, und ein paar Prozent bleiben da später wohnen.“ Diehl vermutet, dass die meisten Leute nicht richtig auswandern, sondern nur eine Zeit lang zum Arbeiten ins Ausland gehen. Dafür spreche auch der geringe Wanderungssaldo. Im vergangenen Jahr verließen 145 000 Deutsche ihre Heimat. Nach Abzug der Rückkehrer gingen 17 000 „verloren“.

„Sehr viele Deutsche sind aus Deutschland weggegangen, haben sich abgemeldet, aber es haben sich auch sehr viele wieder angemeldet“, so Diehl. Die tatsächliche Auswanderung sei deshalb weniger dramatisch als es die Zahlen auf den ersten Blick scheinen ließen.

So gut wie keine Aussage machen können die Wissenschaftler über die Frage, wie lange abwandernde Deutsche in den Zielländern bleiben. „Ich finde, da muss man mehr forschen“, sagte Diehl.

„Deutschland ist mit Sicherheit kein Auswanderungsland geworden“, bilanziert Diehl. Für die USA hat sie vor allem festgestellt, dass „in den letzten 15 Jahren die Zahl der Deutschen, die temporär ins Ausland gehen, gewaltig zugenommen hat.“ Ihrer Meinung nach befördert auch der europäische Binnenmarkt die Abwanderung Deutscher in die Nachbarländer. Das treffe vor allem auf Handwerker und Ärzte zu. „Gruppen, die in Deutschland Schwierigkeiten haben, bewegen sich in einem Binnenmarkt leichter.“

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