BERLIN Das Aufeinandertreffen ist wahrscheinlich nicht wahlentscheidend. Diese Auffassung vertreten die Experten.

Von Jan Dörner BERLIN - Die Wellen schlugen hoch, doch viel daran war nur Schaumschlägerei: Hitzig und polemisch stritten SPD und Union darum, wie oft und wie lange sich ihre Spitzenkandidaten im Fernsehen duellieren sollen. Während Unionskanzlerkandidatin Angela Merkel nur Zeit für eine TV-Debatte zu haben meinte, wollte Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) am liebsten gleich zweimal in den Ring steigen. Viel Lärm um wenig Substanz, meinen Experten.

Denn entscheidend für die Wahl dürfte der geplante Schlagabtausch kaum sein.

„Die Duelle sind wichtig für Bürger und Politiker“, sagt Ralf Altenhof, Politikberatungs-Experte der Technischen Universität Chemnitz. Die Kandidaten hätten die Chance, ihre Positionen darzustellen, und die Zuschauer könnten sich darüber informieren. Das sei besonders wichtig wegen des kurzen Wahlkampfes und der Kooperation von PDS und WASG, die die politische Landschaft in Bewegung gebracht habe. Angesprochen würden besonders unentschlossene Wähler.

Die Zuschauer seien mehrheitlich politisch Interessierte mit gefestigter Meinung, widerspricht Forsa-Chef Manfred Güllner. Durch die anschließende Diskussion in den Medien und zwischen den Zuschauern würden aber auch Nicht-Gucker mit dem öffentlichen Urteil über die Kandidaten konfrontiert. Schröder könne wahrscheinlich in einem Duell punkten, erwartet der Demoskop und Kanzler-Vertraute. Doch in einer aktuellen Forsa-Umfrage hat die Union einen Vorsprung von 19 Prozent auf die SPD. Den könne selbst Schröder nicht aufholen.

Denn eine Personalisierung wie im Wahlkampf 2002 gebe es diesmal nicht, erläutert der Meinungsforscher. Mit anderen Worten: Merkel wird nicht unbedingt als Siegerin aus dem TV-Duell hervorgehen, hat aber auch nichts zu befürchten.

Nach der zweiten TV-Debatte 2002 ergab eine Allensbach-Befragung von noch unentschlossenen Wählern zwar deutlich bessere Werte für Schröder als zuvor, diese Effekte seien aber kurzfristig, gibt der Kommunikationswissenschaftler Hans Mathias Kepplinger aus Mainz zu bedenken. Ein andauernder „nennenswerter Einfluss“ der TV-Duelle auf die Wahlentscheidungen sei nicht nachweisbar. Auch den Informationswert der Veranstaltungen bezweifelt der Medienwirkungsforscher. Studien zeigten, dass sich Fernsehzuschauer nach nur kurzer Zeit schlecht oder gar nicht mehr an die gesendeten Informationen erinnern könnten.

Als „erheblich“ bezeichnet Kepplinger jedoch den Effekt der Diskussion über die Duelle selbst. Dadurch träten für eine Weile die Kandidaten in den Vordergrund. Sachthemen wie Arbeitslosigkeit, die eindeutig gegen Schröders Regierung gingen, würden hingegen in den Hintergrund gedrängt.

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