Frage: Sie haben sich für die Freiheit von Jens Söring eingesetzt, ihn in Frankfurt begrüßt. Wie war der Empfang?

Beyer: Das Medieninteresse war gewaltig. Nicht einmal, wenn die Kanzlerin auftritt, ist der Andrang der Medien sonst so groß. Es waren auch viele aus seinem Unterstützer- und Freundeskreis am Frankfurter Flughafen, die sich auch über viele Jahre für ihn eingesetzt haben. Jens Söring war überwältigt von der Freiheit und überaus glücklich. Er muss jetzt erst einmal mit dieser neuen Situation klarkommen.

Frage: Sie haben ihn in der Vergangenheit in der Haft besucht, sich für ihn eingesetzt. Wie kam es dazu?

Beyer: Jens Söring hatte sich 2011 mit einem handschriftlichen Brief an mich gewandt und den Kontakt gesucht. Mir war der spektakuläre Fall natürlich nicht ganz unbekannt. Ich habe mich dann intensiver damit beschäftigt. Ich hatte selbst an der Universität Virginia studiert, wo er seine damalige Freundin kennengelernt hat. Ich bin selbst Rechtsanwalt und als Politiker für transatlantische Themen zuständig. Es gab immer mehr Zweifel in diesem Fall. Es hat sich ein Austausch entwickelt. Ich habe ihn auch zweimal in der Haft besucht. Das letzte Mal Anfang Juli. Wenig später kam die Entscheidung.

Frage: Die Schuldfrage bleibt. War die Verurteilung ein Fehler?

Beyer: Er bleibt rechtskräftig verurteilt in den USA. In Deutschland ist er ein freier Mann. Hier gibt es keine juristischen Konsequenzen. Der jetzige Gouverneur von Virginia hat Rückgrat bewiesen. Es lag an ihm, dass mit Söring das von Medien so bezeichnete „German Monster“ freigelassen worden ist. Es handelt sich nicht um eine Begnadigung. Es gab immer mehr Fakten, die die Zweifel an seiner Täterschaft genährt haben. Dem Bewährungsausschuss blieb am Ende gar nichts anderes übrig.

Frage: Er kommt jetzt nach 33 Jahren Haft in eine ganz neue Welt. Wird er bei seinem Start betreut?

Beyer: Er wird von Teilen seines Freundes- und Unterstützerkreises betreut. Weihnachten verbringt er im sonnigen Süden Europas, ab dem neuen Jahr ist er dann wieder in Deutschland. Er hat auch erklärt, dass er psychologisch erst einmal Tritt fassen muss. Er hat Menschen, die sich um ihn kümmern, und erhält private Hilfe. Ich habe ihm auch Unterstützung angeboten, wenn er es wünscht. Ich glaube, wir werden noch viel von Herrn Söring hören.

Andreas Herholz Korrespondentenbüro Berlin
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