Berlin-Marzahn Eine Plattenbau-Siedlung in Berlin-Marzahn. Am 6. Juni 1990 endete dort eine der erstaunlichsten Volten des RAF-Terrors der 70er Jahre. Polizeibeamte der DDR nahmen dort Ingrid Becker „zur Klärung eines Sachverhalts“ fest. Bei der Vernehmung kam schnell heraus, dass es sich bei Ingrid Becker um die in der Bundesrepublik seit 1977 als Terroristin gesuchte Susanne Albrecht handelte. Albrecht war wie insgesamt acht weitere RAF-Aussteiger sowie Inge Viett, Mitglied der Terror-Bewegung 2. Juni, in die DDR übergesiedelt. Die Kontakte zur Staatssicherheit hatte Inge Viett hergestellt, die Staatssicherheit wiederum hatte den „Kämpfern gegen den Imperialismus“ einen Unterschlupf geboten. Bedingung: Sie mussten sich in den DDR-Alltag integrieren. „Wir wollten auch verhindern, dass die DDR als Hinterland für Terroranschläge in anderen Staaten genutzt wurde“, sagte Gerhard Neiber, in der DDR stellvertretender Minister für Staatssicherheit. „Wir erwarteten von den Aussteigern, dass sie sich von ihrer Organisation lösten, keinerlei Verbindung aufbauten und sich als DDR-Bürger ruhig und loyal verhielten“, sagte er dem Publizisten Robert Allertz („Die RAF und das MfS“).

Die Aussteiger nutzten zwar die DDR nicht als Hinterland für Terroranschläge, wohl aber die aktiven RAF-Mitglieder. Das fing übrigens schon 1970 an, als die untergetauchte Ulrike Meinhof in Ost-Berlin mit Regierungsvertretern sprach. Immer wieder nutzten RAF-Terroristen die DDR als Transitland. Und 1980 übten aktive RAF-Terroristen in NVA-Uniformen – Christian Klar, Adelheid Schulz, Helmut Pohl, Henning Beer und Inge Viett – das Schießen mit der sowjetischen Panzerfaust auf einem Übungsgelände in der DDR. Später, nach den Verhaftungen von Klar und anderen, setzten Ingrid Jakobsmeier und Christa Eckes diese Tradition fort. Der Kontakt nach Ostberlin brach schließlich im Jahr 1984 ab.

1978 hatte Inge Viett, Aktivistin des 2. Juni, Kontakte zur Stasi aufgebaut, als sie bei einer Grenzkontrolle befragt wurde. Die Stasi kannte Vietts Aktivitäten, sicherte ihr zu, dass die DDR sie nicht an die Bundesrepublik ausliefern werde. Als 1979 eine Reihe von RAF-Mitgliedern aussteigen wollten, nahm Viett erneut Kontakt mit Ost-Berlin auf. 1980 reisten die ersten Aussteiger über Berlin-Schönefeld in die DDR.

Die Stasi „betreute“ die zunächst acht, später zehn Aussteiger. Es handelte sich überwiegend um RAF-Mitglieder, die während der „Offensive 77“ kurzfristig geworben worden waren.

Hans Begerow Leitung / Politik/Region
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