BREMEN Wenn an diesem Sonntag der europäische Tag des Fahrrades stattfindet, bleibt das Trekking-Rad von Ludger Koopmann im Stall stehen. Ausnahmsweise. „Leider bin ich krank geschrieben“, ärgert sich der stellvertretende Bundesvorsitzende des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC). Gerne hätte der gebürtige Löninger in seiner Heimatstadt Bremen eine große Runde auf seiner Lieblingsstrecke gedreht. Von der linken Weserseite setzt er regelmäßig mit der Fähre über, schwingt sich auf sein Trekking-Rad Richtung Wümme, um Natur und frische Luft an der Kleinen Wümme zu genießen.

Nicht nur privat, sondern auch im beruflichen Alltag spielt das Fahrrad eine entscheidende Rolle in Koopmanns Leben. Der ADFC-Landesvorsitzende Bremens engagiert sich seit dem Jahr 2000 auf Bundes-, Landes- und Kommunalebene konsequent für die Förderung des Fahrradverkehrs. „Wir müssen noch mehr Menschen bewegen, in die Pedalen zu treten“, formuliert Koopmann.

Weg vom Bordstein

So fordert er konkret bessere gesetzliche Regelungen auf Bundesebene: „Wir müssen weg von den Bordstein-Radwegen.“ Diese seien durch die häufig engen Ausmaße zu gefährlich. Fußgänger, Radfahrer und abbiegende Autos würden sich zu oft in die Quere kommen. Stattdessen hebt der stellvertretende Bundesvorsitzende die Vorteile eines Schutzstreifens für Fahrräder auf der Straßenfahrbahn hervor. „Eine bessere Asphaltierung der Strecken wäre eine Folge. Zudem haben Autofahrer dann die Radfahrer besser im Blick und nehmen von vornherein mehr Rücksicht.“

Zunächst gelte es aber, auf der Informations- und Verkehrserziehungsebene anzusetzen. Viele Verkehrsteilnehmer würden beispielsweise gar nicht wissen, dass es Radfahrern erlaubt ist, auf der Straße zu fahren. „Es ist sogar der Regelfall. 2009 hat der ADFC ein Urteil des Verwaltungsgerichtshofes erwirkt“, so Koopmann. Nur im Ausnahmefall sei es Städten und Gemeinden erlaubt, Radwege als benutzungspflichtig zu kennzeichnen. Durch das fehlende Wissen würden zu oft Konflikte zwischen Auto- und Radfahrern entstehen.

Die „Aufenthaltsqualität in jeder Stadt zu steigern“, sei ein weiteres Ziel des ADFC, sowie „Platz schaffen“, sowohl für Auto als auch Rad. Das gelte vor allem auch im Nordwesten. Zwar gebe es hier viele schöne Strecken, doch zufrieden ist Koopmann mit dem Radwegenetz noch lange nicht. In Städten, auch in vielen Dörfern, seien die Asphaltierungen häufig katastrophal. „Zudem wird zu wenig Rücksicht auf Schulwege genommen“, stellt Koopmann fest. Enge Rad- und Fußwege – eben mit jenen hohen Bordsteinkanten – seien in unmittelbarer Schulumgebung eine große Gefahrenquelle.

„Idioten“ gibt es immer

Dass es immer wieder „Idioten“ gebe, die durch rücksichtsloses Verhalten Unfälle verursachen, das könne man laut Koopmann nicht verhindern. Die Helmpflicht, seit Jahren in der Diskussion, hält er dennoch nicht für notwendig. „Ich trage auch keinen“, verrät er. Dass ein Kopfschutz sinnvoll sei und helfe, sei keine Frage. Doch Koopmann befürchtet einen Rückgang an Radfahrern, sollte eine Pflicht eingeführt werden, „das haben Versuche in anderen Ländern gezeigt“.

Kürzere Rotphasen für Autofahrer, um ein „über dunkelgelb über die Ampel rasen“ zu vermeiden, eine bessere Zusammenarbeit von ÖPNV und Radfahrern, um „eine bessere Mitnahme von Rädern in Zügen zu gewährleisten“ oder eine engere Zusammenarbeit mit dem ADAC, um „das jeweils eigene Klientel gezielter zu erziehen“, sind weitere Maßnahmen, für die Koopmann einsteht.

All jenen, die am Sonntag nicht auf das Fahrrad steigen können, rät der stellvertretende Bundesvorsitzende sich gewisse Rituale auf zwei Rädern anzueignen. Er selbst sei schon als kleiner Junge, als er noch den Pfadfindern angehörte, jeden Tag aufs Rad gestiegen. „Die Bewegung an der frischen Luft, die Mobilität in einer vollen Innenstadt oder auch einfach der Stressabbau im Berufsalltag – das regelmäßige Radfahren bietet zahlreiche Vorteile.“ Nicht zuletzt auch den gesundheitlichen Aspekt, „Bewegung hält schließlich fit“. Für Ludger Koopmann gilt das eigentlich auch – nur nicht am europäischen Tag des Jahres 2012. „Ich fahre rund 400 Kilometer im Monat“, erzählt er. Am Tag des Fahrrades wird bei ihm wohl keiner dazukommen.

Der Europäische Tag des Fahrrades ist ein Aktionstag und findet seit 1998 jährlich am 3. Juni statt.

Eingeführt wurde er durch die französische, globalisierungskritische Nichtregierungsorganisation „Attac“.

Anlass war die zunehmend problembehaftete Verkehrsdichte durch motorisierte Fortbewegungsmittel. Der Tag soll darauf hinweisen, dass das Fahrrad das umweltfreundlichste und gesündeste Fortbewegungsmittel für Menschen darstellt.

Anfang Juni finden mit Blick auf diesen Tag verschiedene Aktionen und Sternfahrten statt.

Lars Blancke Redakteur / Sportredaktion
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