Karlsruhe /Bonn Schon sieben Jahre lang hatten die Mitglieder der „Rote Armee Fraktion“ – kurz RAF – die Polizei, die Regierung und die Öffentlichkeit in Atem gehalten mit Anschlägen auf Regierungs- und Militäreinrichtungen, mit tödlichen Schüssen auf Polizisten und mit Hungerstreikaktionen der inhaftierten Terroristen. Im Jahr 1977 kulminierte der bewaffnete Kampf der Linksterroristen. Beim Versuch, die inhaftierten ­Terroristen um Gudrun Ensslin, Andreas Baader und Jan-Carl Raspe freizupressen, kam es zu einer bis dahin nicht ­gekannten Gewaltorgie, die im Herbst nochmals eine Eskalation erfuhr.

Die Hauptakteure der RAF, Andreas Baader, Gudrun Ensslin und Jan-Carl Raspe, waren seit 1972 in Haft, seit 1975 mussten sie sich wegen Mordes und Sprengstoffverbrechen vor einem Strafsenat des Oberlandesgerichts Stuttgart in einem eigens errichteten Gerichtsgebäude bei der Justizvollzugsanstalt in Stuttgart-Stammheim verantworten. Doch neben den Inhaftierten der ersten RAF-Generation hatte sich eine zweite Generation von Sympathisanten und gewaltbereiten Akteuren gebildet. Nach einer längeren Phase der Ruhe wurde von den Inhaftierten und in Freiheit lebenden RAF-Aktivisten die „Offensive 77“ entwickelt. Den Auftakt machte das Attentat auf Generalbundesanwalt Siegfried Buback am 7. April 1977 in Karlsruhe. Von einem Motorrad werden zahlreiche Schüsse auf den Wagen abgegeben. Buback sowie sein Fahrer Wolfgang Göbel sterben am Anschlagsort, der dritte Insasse, der Leiter Fahrbereitschaft, Georg Wurster, im Krankenhaus.

Gescheiterte Entführung

Es folgt der gescheiterte Versuch einer Entführung, der tödlich ausgeht. Am 30. Juli 1977 betreten drei junge Leute, zwei Frauen und ein adrett gekleideter Mann, das Haus des Bankiers Jürgen Ponto in Oberursel. Die drei Besucher, unter ihnen mit Susanne Albrecht eine Schwester von Pontos Patenkind, wollen Ponto entführen. Doch der wehrt sich, da erschießt ihn der RAF-Terrorist Christian Klar. Es ist eine der wenigen Mordtaten der RAF, bei der der Schütze bekannt ist. Klar erschießt Ponto vor den Augen seiner Ehefrau.

Die dritte gravierende Terrortat ist der versuchte Anschlag auf die Generalbundesanwaltschaft am 25. August in Karlsruhe. Mit einem selbstgebastelten Raketenwerfer im Gepäck dringen RAF-Terroristen in die Wohnung eines Ehepaars in Karlsruhe ein, das der Bundesanwaltschaft gegenüberliegt. Bombenbastler Peter-Jürgen Boock hat sein Mordgerät nach eigenen Worten unbrauchbar gemacht, auf jeden Fall löst sich keiner der Sprengsätze.

Lange Hängepartie

Nur wenige Tage später entführen Unbekannte den Arbeitgeberpräsidenten Hanns Martin Schleyer in Köln. Die Entführer stellen einen Tag danach ihre Bedingungen: Freilassung von zehn Gefangenen, Direktübertragung im deutschen Fernsehen, jeder Gefangene soll 100000 DM erhalten. Bundeskanzler Helmut Schmidt bleibt hart: er will sich anders als bei der Entführung des CDU-Politikers Peter Lorenz 1975 in Berlin nicht erpressen lassen.

Es kommt zu einer langen Hängepartie. Am 13. Oktober entführen vier palästinensische Terroristen eine Lufthansa-Maschine auf dem Weg von Palma de Mallorca nach Frankfurt. 87 Personen sind an Bord. Es kommt zu einer Horror-Reise für die Geiseln. Über Rom, Zypern und Dubai landet die Maschine in Aden/ Jemen. Dort erschießen die Entführer Flugkapitän Jürgen Schumann. Schließlich fliegt die „Landshut“ nach Mogadischu/Somalia. Dort wird die Maschine von einer Anti-Terror-Einheit des Bundesgrenzschutzes gestürmt. Die Geiseln bleiben unverletzt und werden befreit. Drei Entführer werden erschossen, eine überlebt. Noch in der Nacht töten sich in Stammheim Andreas Baader, Jan-Carl Raspe und Gudrun Ensslin. Die Leiche Schleyers wird am Tag darauf entdeckt.

Hans Begerow Leitung / Politik/Region
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