Oldenburg /Berlin /Bonn /München Schnell mobil surfen – dafür braucht es das passende Netz. Ständig neue Mobilfunkgenerationen ermöglichen höhere Datenübertragungsraten. Diese bestimmen, wie schnell ein Endgerät zum Beispiel Internetseiten oder Videos lädt.

Das 5G-Netz ist die neueste Netzgeneration. Erste Mobilfunkbetreiber haben bereits an einigen Standorten das Netz geöffnet, andere warten noch ab. Um 5G und vor allem auch das Vorgängernetz 4G (LTE) weiter ausbauen zu können, werden über kurz oder lang Frequenzen des 3G-Netzes (UMTS) abgeschaltet, um die dafür benötigten Frequenzen freizumachen.

Basisversorgung bleibt

Als Basisversorgung sollen die noch älteren 2G-Netze (GSM) bestehen bleiben. Sie taugen im Prinzip aber nur zum Telefonieren und SMS schreiben. Mit der beim Standard GSM maximal möglichen Datenübertragungsrate von nicht einmal einem halben Megabit pro Sekunde (Mbit/s) kann man heute kaum noch eine normale Internetseite öffnen. Und das ist schon die Geschwindigkeit im GSM-Datenturbo EDGE, der dieses Prädikat sicher nicht mehr verdient. Denn EDGE ist berüchtigt: Taucht das E oben rechts am Displayrand auf, bedeutet das quälend langsames Surfen.

Durchgängig auf dieses Szenario zurückgeworfen wären theoretisch aber Abermillionen Nutzer, wenn UMTS von jetzt auf gleich abgeschaltet würde. Das legen Zahlen der Bundesnetzagentur nahe: Der Jahresbericht 2018 der Behörde zählt nur 50,5 Millionen aktiv genutzte SIM-Karten, die LTE nutzen. Blieben noch 57 Millionen aktive SIM-Karten, die sich nur in UMTS- und GSM-Netze einbuchen – offenbar weil sie nicht für den deutlich schnelleren Datenfunk LTE freigeschaltet sind. Oder weil das Mobilgerät, in dem sie genutzt werden, nicht LTE-fähig ist.

Ein Grund zu ernster Sorge? Eher nicht, meint Dennis Romberg, beim Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) Referent für die „Marktwächter Digitale Welt“. „Die Zahlen der Bundesnetzagentur sind ja von 2018: Ich glaube, so langsam kommen immer mehr Verbraucherinnen und Verbraucher dahin, LTE in ihren Verträgen zu haben.“ Die Gefahr, einen neuen Vertrag nur noch mit UMTS abzuschließen, sei ohnehin nicht mehr besonders groß, sagt Romberg. „So viele Tarife ganz ohne LTE gibt es gar nicht mehr.“

Beim Vergleich von UMTS und LTE gehe es nicht nur um Geschwindigkeit. „Die Abdeckung ist ja das Wichtige, und die ist heute schon meist besser als mit UMTS, auch wenn LTE noch nicht überall verfügbar ist“, sagt Romberg.

Noch kein fester Termin

Wann genau 3G abgeschaltet wird, steht noch nicht fest. Vodafone etwa hat vage 2020 oder 2021 benannt. Die Telekom hingegen sichert, vorbehaltlich einer Verlängerung, zu, dass 3G im Mobilfunknetz bis zum 31. Dezember 2020 verfügbar ist. Dies teilte Pressesprecher Niels Hafenrichter auf Nachfrage unserer Zeitung mit.

Er wies jedoch auch darauf hin, dass das LTE-Netz der Telekom bereits stärker ausgebaut sei als das 3G-Netz. Zudem werde das LTE-Netz in diesem weiter verdichtet und auch die Kapazität erweitert. „So können noch mehr Menschen gleichzeitig mit hohen Geschwindigkeiten Daten übertragen und dies auch an bisher unversorgten Stellen tun“, so Hafenrichter. „Stand Ende 2018 haben wir 97,6 Prozent der Bevölkerung in Deutschland mit schnellem Internet per LTE versorgt.“

In den aktuellen Tarifen sei die Nutzung von LTE bereits seit Jahren enthalten. Das Netz können auch alle Drittanbieter – entweder schon jetzt oder in absehbarer Zeit – im Telekom-Netz nutzen. Wer noch mit alten Tarifen ohne LTE surft, dem empfiehlt Hafenrichter den Umstieg auf einen aktuellen Tarif – und auch den Erwerb eines LTE-fähigen Mobiltelefons, wenn Verbraucher mobil surfen wollen. Vor allem Smartphones, die älter als sechs Jahre sind, können vermutlich kein LTE nutzen. Auf breiter Front wurde die Technologie erst ab 2013 verbaut.

Für die 5G-Abdeckung hat die Telekom auch schon einen Plan: Bis 2025 sollen 99 Prozent der Bevölkerung und 95 Prozent der Fläche abgedeckt sein.

Kundinnen und Kunden von Telefónica (O2) haben noch mehr Zeit – mittelfristig ist eine Abschaltung des 3G-Netzes nicht geplant, wie Pressesprecher Jörg Borm mitteilte. „Es muss folglich zeitnah niemand (und schon gar nicht hektisch) auf ein neues Endgerät umsteigen.“

Telefónica stuft den Ausbau des 5G-Netzes zunächst als relevant für die Industrie 4.0 ein. Für Verbraucherinnen und Verbraucher werden etwa in Berlin und München Tests zum Start durchgeführt. Aber: „Damit Verbraucher 5G wirklich sinnvoll nutzen können, ist eine massenhafte Verfügbarkeit von Endgeräten zu einem vernünftigen Preis sowie gleichermaßen eine massenhaft verfügbare Systemtechnik zwingend notwendig.“

Dies werde abseits von ersten Einzelprojekten und örtlich sehr begrenzten 5G-Versorgungs-Hotspots nicht vor 2020 der Fall sein. „Wir haben einen langfristigen Plan für 5G, den wir konsequent umsetzen.“

Zentraler Bestandteil der digitalen Infrastruktur sei das LTE-Netz. Deshalb treibe das Unternehmen den Ausbau in die Fläche weiter voran, „um immer mehr Menschen gerade auch in ländlichen Regionen mit schnellem Internet zu versorgen“, erklärt Borm. Auch bei den Verträgen von Telefónica gilt: die Eigenmarken und ein Großteil der Partnermarken haben die LTE-Nutzung laut Borm bereits inklusive.

Kostenlose Umstellung

Auch die Oldenburger EWE AG weist darauf hin, dass in den nächsten Jahren 3G-Frequenzen abgeschaltet werden könnten. Kundinnen und Kunden, die noch einen 3G-Vertrag besitzen, müssen sich jedoch keine Sorgen machen. „Wir können eine Mehrzahl unserer Kunden in den nächsten Wochen automatisch und kostenlos auf LTE umstellen. Über eine erfolgreiche Umstellung informieren wir per SMS“, heißt es vom Leiter Produktmanagement, An­dreas Meyer.

Für die Kundinnen und Kunden ändert sich dabei auch bei den Verträgen oder Laufzeiten nichts, wie Katharina Schütz von EWE auf Nachfrage mitteilte. „Die betroffenen Kunden bekommen also mehr Leistung zum gleichen Preis.“

Zudem weist sie noch darauf hin, dass sich die Mobilfunknetzbetreiber 2015 verpflichtet haben, bis Ende 2019 eine LTE-Abdeckung von 97 Prozent der Haushalte in allen Bundesländern und 98 Prozent bundesweit zu erreichen.

„Es ist deshalb davon auszugehen, dass zukünftig eine noch breitere 4G-Netzabdeckung gegeben sein wird.“

Manuela Wolbers Volontärin, 3. Ausbildungsjahr / NWZ-Redaktion
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