München /Berlin Wenn es bei der bayerischen Landtagswahl am Sonntag jemanden gibt, der sozusagen ins Ziel schwebt, dann sind das die Grünen. Seit Wochen liegen sie in allen Umfragen nicht nur konstant und mit Abstand vor allen anderen auf Rang zwei hinter der CSU. Sie halten sich auch äußerst stabil bei 16 bis 18 Prozent. Und nicht nur das: Erstmals in ihrer Geschichte könnten die Grünen der CSU mindestens ein Direktmandat abjagen, wenn nicht sogar mehrere.

Die Euphorie ist schon vor dem Wahlsonntag groß – auch wenn noch keiner weiß, wie die Wahl tatsächlich ausgehen wird. In der Vergangenheit mussten die Grünen in Bayern schon die Erfahrung machen, dass Ergebnisse schlechter ausfielen als die Umfragen vorher. Nicht nur die beiden Spitzenkandidaten Katharina Schulze und Ludwig Hartmann wissen, dass sie bis zur letzten Minute kämpfen müssen.

„Wir wollen zweistellig werden und zweitstärkste Kraft werden. Alles darüber hinaus wäre ein zusätzliches Zuckerl“, sagt Schulze. Es liege „etwas in der Luft“. Aber: Abgerechnet werde erst am Sonntagabend.

Die beiden werden von ihrer Partei allerdings schon vorab gefeiert. Schulze, weil sie es geschafft hat, das Gesicht der Anti-CSU-Politik in Bayern zu werden: hier die junge, freche, manchmal überschwänglich-hektische 33-Jährige – dort die Herren von der CSU, mit Parteichef Horst Seehofer und Ministerpräsident Markus Söder. Und Hartmann, der spricht mit seiner eher sachlichen, aber gleichwohl kämpferischen Art womöglich all die potenziellen Wähler an, denen Schulze dann doch etwas zu laut und zu quirlig ist. Hartmann war es auch, der beim ersten schwarz-grünen TV-Duell überhaupt in Bayern an den Start ging – sonst durfte das die SPD.

Die hohen Umfragewerte dürften aber kaum den beiden Spitzenkandidaten allein geschuldet sein, zumal beide nach wie vor relativ geringe Bekanntheitswerte haben. Da ist auch die chronische Schwäche der SPD, aber auch die Tatsache, dass viele langjährige CSU-Wähler mit ihrer Partei hadern.

Und wer etwa in der Asylpolitik einen anderen Kurs will als die CSU, fühlt sich bei den Grünen vermutlich besser aufgehoben.

Die Grünen stünden für eine „Politik, die Mut gibt, anstatt Angst zu machen“, für ein pro-europäisches, demokratisches, freiheitliches Bayern, betonte Schulze zuletzt – kurz: für „Herz, nicht Hetze“. Sie berichtet von Briefen, Mails und direktem Zuspruch von Männern und Frauen, die stets CSU gewählt hätten – und jetzt Grüne wählen wollen. Dabei ist keineswegs neu, dass Grüne auch in konservativen Milieus punkten können, auch in Bayern. Beispielsweise stellen die Grünen schon heute zwei Landräte.

Auch die Berliner Grünen, die als Wahlkampfunterstützung durch den Süden touren, berichten geradezu euphorisch von ihren Erlebnissen. „Die Stimmung im Wahlkampf ist für uns Grüne die positivste und zugewandteste, die wir in Bayern je erlebt haben“, sagt Bundestags-Fraktionschef Anton Hofreiter, der in Berlin den Wahlkreis München-Land vertritt. „Altgediente Wahlkämpfer wundern sich, warum sie am Stand gar nicht beschimpft werden.“

Es läuft für die Öko-Partei – und das längst nicht nur in Bayern.

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