BERLIN Wunderkerzen funkelten in den Abendhimmel. Zu Mitsing-Liedern wie „Drink doch ene met“ oder „Dat Wasser vun Kölle“ wurde kräftig geschunkelt. Das Abschiedsfest für ihren scheidenden Vormann Peter Struck hatte sich die SPD-Fraktion einiges kosten lassen. Viel Wehmut ließ auch Peter Struck anklingen, der nach 29 Jahren nun bald dem Parlament nicht mehr angehört. Erst Bonn, dann Berlin: „Damit schließt sich der Kreis für mich“. Mit Struck gehen viele weitere Parlamentarier: Mehr als 100 der derzeit 612 Parlamentarier werden auf jeden Fall im neuen Bundestag nicht mehr sitzen – weil sie freiwillig Schluss machen oder nicht wieder aufgestellt wurden zur Bundestagswahl am 27. September.

Besonders viele Abgänge verzeichnet die SPD. Neben Struck kommen mindestens 55 weitere ihrer momentan 211 Parlamentarier nicht wieder. Dazu gehört das halbe Kabinett von Ex-Kanzler Gerhard Schröder – die damaligen Minister Hans Eichel (Finanzen), Otto Schily (Innen), Herta Däubler-Gmelin (Justiz), Walter Riester (Arbeit), Renate Schmidt (Familie) und Kurt Bodewig (Verkehr). Auch Kurzzeit-Fraktionschef Ludwig Stiegler geht, ebenso bekannte Namen wie Walter Kolbow, Ortwin Runde oder Gert Weißkirchen.

Bei der Union stehen 34 Abgänge fest. Der prominenteste bei der CDU ist der frühere Fraktionschef Friedrich Merz, der sich mit zahlreichen Nebenjobs in der Wirtschaft aber keine Zukunftssorgen machen muss. Mit dem Ausscheiden von Ex-Landwirtschaftsminister Jochen Borchert und dem ehemaligen Geheimdienstkoordinator Bernd Schmidbauer („008“) neigt sich auch die Ära von Helmut Kohl im Parlament langsam dem Ende zu. Schluss machen auch Wirtschafts-Staatssekretär Hartmut Schauerte, der Finanzpolitiker Otto Bernhardt, sein Umwelt-Kollege Klaus Lippold oder Gerald Weiß (alle CDU) von den Sozialausschüssen. Bei der CSU gehen Langzeit-Mandatsträger wie Eduard Lintner, Maria Eichhorn oder Renate Blank.

Überschaubar ist Zahl bei den kleineren Parteien. Bei der FDP, die auf Ämter in der künftigen Regierung hofft, wirft Otto Schilys Bruder Konrad nach nur vier Jahren auf der Bundestags-Hinterbank frustriert das Handtuch. Altersbedingt nicht mehr angetreten sind Detlef Parr und Horst Friedrich. Bei den Grünen nicht ganz freiwillig gehen Ex-Entwicklungs-Staatssekretärin Uschi Eid und Silke Stokar. Anna Lührmann, die 2002 als jüngste Abgeordnete ins Parlament einzog, zieht mit der Familie nach Afrika. Bei der Linkspartei hören Norman Paech und Hakki Keskin auf.

Die meisten Noch-Mandatsträger halten sich bedeckt, in welchen neuen Jobs sie künftig auftauchen werden.

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