Karlsruhe /Hannover Das junge Paar wollte ein Wandbild für den Bungalow in Bergzabern, so hatte es jedenfalls dem Kunstmaler Theodor Sand in Karlsruhe den Anlass für den Besuch in Karlsruhe geschildert. Der wohnte mit seiner Frau in der Blumenstraße in Karlsruhe, gegenüber der Bundesanwaltschaft. Am 25. August 1977 betrat das angebliche Ehepaar Ellwanger die Wohnung des Kunstmalers. Nach Gesprächen ging man in das Atelier. Nun wechselte die Stimmung abrupt. Das Ehepaar Sand wurde gefesselt und auf Sessel gesetzt. „Dies ist eine Aktion der Rote Armee Fraktion“, hörten die Gefesselten. Dann begann Peter-Jürgen Boock eine Abschussanlage in der Wohnung der Sands aufzubauen. Er montierte 42 Stahlröhren, etwa 60 Zentimeter lang, auf Spanplatten übereinander. Darin wurden raketenähnliche Geschosse mit einem vierflügeligen Leitwerk sowie Sprengstoff und Aufschlagzünder angeordnet. Das Gewicht der Raketenabschussanlage betrug etwa 150 Kilogramm.

Boock hatte das Mordinstrument zuvor in Hannover zusammengebaut, wo die RAF eine konspirative Wohnung in der Ihmepassage gemietet hatte. Die Stahlrohre stammten aus Geschäften für Sanitärbedarf. Schließlich war der Aufbau vollendet. „Da sind doch auch Stenotypistinnen und andere Angestellte“, wandte das gefesselte Ehepaar ein. Die befänden sich in den unteren Etagen. Ziel sei die Bundesanwaltschaft. Dann machten sich Boock und seine Helfer, man weiß immer noch nicht wer, auf. Das Ehepaar durchlitt Höllenqualen, schließlich konnte es sich gegen 19 Uhr selbst befreien und die Wohnung verlassen. Die Abschussanlage hatte nicht ausgelöst. Peter-Jürgen Boock stellte es später vor Gericht so dar, dass er die Anlage unbrauchbar gemacht habe. Tatsächlich hatte der Drogenabhängige einfach vergessen, den Wecker für den Zündmechanismus aufzuziehen.

An der Abschussanlage befand sich ein Fingerabdruck von Susanne Albrecht, an der Verpackung Abdrücke von Christian Klar und Silke Maier-Witt. In einem später aufgetauchten Selbstbezichtigungsschreiben der RAF hieß es, die Abschussanlage sei angesichts der Situation der Inhaftierten RAF-Gefangenen eine „warnung“ gewesen (in der RAF galt die konsequente Kleinschreibung). Auch heute ist noch nicht klar, wer Boock geholfen hat. Wahrscheinlich war Brigitte Mohnhaupt dabei gewesen. Die Raketenabschussanlage ist heute im Haus der Geschichte in Bonn ausgestellt. Boock wurde wegen der Beteiligung an der Schleyer-Entführung und der Ermordung der vier Begleiter zu lebenslanger Haft verurteilt. Schleyer-Entführung

Hans Begerow Leitung / Politik/Region
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