Tennishalle in Westerstede brennt
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Tennishalle in Westerstede brennt

Kassel /Athen Es raunt und stöhnt, grunzt und zischt. Auf der Bühne sitzen die Künstler der Documenta 14 und die Verantwortlichen der größten Kunstausstellung der Welt. Bei der Voreröffnung am Donnerstag sind sie Teil einer Performance. Auch der künstlerische Leiter Adam Szymczyk und Geschäftsführerin Annette Kulenkampff gurgeln mit.

Die Aktion ist gut gewählt, um eine Documenta in ein Bild zu fassen, bei der fast alles anders ist. Zum ersten Mal wird die Ausstellung nicht in Kassel, sondern an einem anderen Ort eröffnet: in Athen. Das Kuratorenteam, das nach der Performance sein Konzept erläutert, versteht das als politisches Statement: raus aus der Komfortzone Mitteleuropas hin zum krisengeschüttelten Rand des Kontinents.

Aber die eigenen Themen kommen mit. Freunde des 2006 in Kassel ermordeten NSU-Opfers Halit Yozgat treten beim Festakt ans Mikrofon und plädieren für eine Überwindung von Nationen und den Aufbau einer „Gesellschaft von Menschen“.

Ist das Kunst? Für Szymczyk schon. Zum Programm gehören Musik und Tanz, Film und Debatten, Radio und Fernsehen, politische Aktionen, Essen, Trinken und so viele Performances wie noch nie. Die ganze Stadt soll für 100 Tage zur „sozialen Skulptur“ werden.

Dem ortsunkundigen Kultur-Touristen fordert das einiges ab. Der Documenta-Stadtplan listet 37 Schauplätze in Athen auf: vier großen Institutionen und massenhaft Locations in allen Stadtteilen. Wer wann was wo macht in den nächsten 100 Tagen, muss der Besucher entweder vorher recherchieren – oder sich einfach treiben lassen. Schon am ersten Tag stellen die meisten fest: macht Spaß. Was Szymczyk hier zeigt, erwartet die Besucher später auch in Kassel.

Im Hof des Konservatoriums stößt man auf die Installation „European Every­thing“ des samischen Künstlers Joar Nango: ein improvisiertes Zeltlager, Live-Rap inklusive. Im Keller hat die türkischstämmige Nevin Aladag ein Orchester aus zu Instrumenten umgebauten Möbeln aufgebaut.

Im neuen – aber aus Geldmangel noch nicht eröffneten – Museum für zeitgenössische Kunst empfangen Masken die Besucher. Beau Dick, ein indigener Kanadier aus dem Volk der Kwakwaka’wakw, hat sie nach Athen gebracht. Während der Documenta werden sie nach und nach abgeholt und von Angehörigen seines Stammes bei einer rituellen Zeremonie verbrannt.

Auch das ist typisch für die Documenta 14: Was im Museum steht, im Konzertsaal erklingt, auf der Bühne oder Leinwand zu sehen ist, ist nicht das ganze Kunstwerk. Cecilia Vicuña aus Chile etwa lässt knallrote baumdicke Stricke aus griechischer Schafwolle von der Decke baumeln, die sie am Ende dem Meer als Opfergabe darbringen will. Pavel Braila aus Moldawien hat in Einmachgläsern den Schnee aufbewahrt, der für viel Geld mit viel Energie für die Winterolympiade im warmen Sotschi hergestellt wurde.

Ok, für manches wünscht man sich einen Beipackzettel. Alte Schuhe in einer Vitrine; eine rote Säule; Fotos von Menschenmassen – beim Vorbeischlendern erschließt sich vieles nicht. „Diese Documenta fordert einen Betrachter, der sich auf neue Erfahrungen einlässt“, schreibt das „art“-Magazin. „Diese Documenta will eine Herausforderung sein“, glaubt „Monopol“.

Hin und wieder hängen aber auch einfach Bilder an der Wand. Im Dachgeschoss des Museums für zeitgenössische Kunst blicken die leuchtenden Farbflächen des US-Malers Stanley Whitney direkt auf die Akropolis. „Von Athen lernen“ war Szymczyks Motto für die Documenta 14. Unzählige Male ist er gefragt worden, was er damit meine. „Verlernen, was wir zu wissen glauben“, sagt er zur Eröffnung für das Fachpublikum in Athen, „ist ein guter Anfang.“

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