Hannover „Eine Landarztquote lehne ich entschieden ab. Sie ist ein schwerer Eingriff in die Berufsfreiheit.“ Mit klaren Worten wehrt sich Niedersachsens Ärztekammerpräsidentin und Vizepräsidentin der Bundesärztekammer, Martina Wenker, im Gespräch mit dieser Zeitung gegen ein Zwangsmodell, um junge Ärzte an eine Tätigkeit auf dem Land zu binden.

„Sie können einem 19-jährigen Studienanfänger nicht vorschreiben, was er etwa 15 Jahre später im Beruf wo genau macht. Oft ändern sich in dem Zeitraum Lebenspläne und private Familiensituationen. Dann besteht häufig die Gefahr, dass sich die Betroffenen aus der Verpflichtung rauskaufen“, warnt Wenker.

Gleichzeitig kritisiert die Kammerpräsidentin, dass Deutschland seit Jahren zu wenig Ärzte ausbilde. Seit der Wiedervereinigung habe es einen massiven Abbau der Medizin-Studienplätze von einst 16 000 auf aktuell 9000 gegeben. „Wir brauchen 1500 Medizinstudienplätze in Deutschland mehr – jetzt sofort“, macht Wenker deutlich und fordert für Niedersachsen, umgehend 250 Medizin-Studienplätze neu zu schaffen.

Attraktivität steigern

Mark Barjenbruch, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KVN), lehnt eine Landarztquote ebenfalls ab und setzt stattdessen darauf, die Attraktivität des Arztberufs zu steigern. „Hospitationen in hausärztlichen Praxen, die Verbundweiterbildung in Krankenhäusern und Praxen sowie neue kooperative Arbeitsmöglichkeiten für Mediziner – diese Anreize werden Ärzte dazu bewegen, sich in ländlichen Gebieten niederzulassen und damit für eine Entschärfung der Versorgungsprobleme zu sorgen“, ist Barjenbruch überzeugt. Alle Partner im niedersächsischen Gesundheitswesen dürften in ihrem gemeinsamen Bemühen nicht nachlassen, eine flächendeckende ärztliche Versorgung für die Menschen in Niedersachsen zu erhalten.

Ärztekammerpräsidentin Wenker weist im Gespräch zudem auf einen weiteren wichtigen Aspekt hin: Nicht Schnelligkeit sei bei der Anerkennung von ausländischen Abschlüssen entscheidend, „sondern vielmehr die Einhaltung der hierzulande üblichen hohen Qualifikationsstandards für Ärzte“. „Ethisch höchst problematisch“ sei es, Ärzte aus jenen Ländern abzuwerben, in denen die medizinische Versorgung der Bevölkerung zumeist weit schlechter als hierzulande sei und dadurch noch weiter geschwächt werde.

Sprache entscheidend

Auch zum Thema Sprachkenntnisse hat Wenker eine klare Haltung: Derzeit bestehe nur gut die Hälfte aller Ärzte aus dem Ausland die fachsprachlichen Prüfungen bei den zuständigen Landesärztekammern. „Nur gründliche Sprachprüfungen gewährleisten unseren Patienten, dass sie mit ihren behandelnden Ärzten eine adäquate Kommunikation führen können“, setzt die Kammerpräsidentin sich für klare Sprachvorgaben ein.

Zudem plädiert Wenker dafür, „dass jeder, der in Deutschland als Arzt tätig sein möchte, zuerst das deutsche Staatsexamen bestehen muss – unabhängig von seiner vorausgegangenen Ausbildung. Nur diejenigen, die das deutsche Staatsexamen erfolgreich absolviert haben, können eine ärztliche Versorgung auf dem gewohnt hohen Qualitätsniveau sicherstellen“.

So sei es auch in den USA: Wer in den Staaten als Facharzt tätig sein wolle, müsse – egal ob US-Bürger oder Ausländer – das United States Medical Licensing Exam (USMLE) absolvieren. Hier würden die medizinischen Kenntnisse und Fähigkeiten in der Theorie und Praxis geprüft sowie die Sprachkenntnisse bestätigt, ohne die ein erfolgreicher Abschluss nicht möglich wäre. „Wenn wir das deutsche Staatsexamen für alle fordern, müssen wir aber auch sicherstellen, dass die ausländischen Bewerber entsprechend gefördert werden“, ergänzt Wenker.

Lars Laue Korrespondent / Redaktion Hannover
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