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Hamburg Bekommen depressive Menschen häufiger Krebs? Wissenschaftler sagen: Nein. Beim Umgang mit Krebs spielt die Psyche aber eine wichtige Rolle.

Als Sabine Dinkel vor zwei Jahren erfuhr, dass sie an fortgeschrittenem Eierstockkrebs erkrankt war, sah sie sich schon auf dem Friedhof. „Ich dachte, mein Leben ist vorbei“, erzählt die Hamburgerin, die als Coach arbeitet. Als sie den ersten Schock überwunden hatte, machte sie sich auf die Suche nach Ratgeber-Literatur. Doch was sie fand, deprimierte sie nur noch mehr. Viele Bücher suggerierten ihr: Du bist selbst schuld. Weil du nicht genug auf dich geachtet hast.

In der Bevölkerung hält sich der Glaube, dass Krebs psychisch bedingt sei. Eindeutige wissenschaftliche Belege dafür gibt es nicht. Im Gegenteil: Imad Maatouk, Psychoonkologe am Universitätsklinikum Heidelberg, erklärt: „Die Vorstellung, dass man aufgrund seiner Persönlichkeitsmerkmale oder durch Stress am Arbeitsplatz an Krebs erkrankt, ist wissenschaftlich nicht haltbar.“ Ebenfalls keine Belege gibt es für die These, dass eine positive Lebenseinstellung den Ausbruch oder das Wiederkehren verhindern kann. „Es kann die Patienten extrem unter Druck setzen, negative Gefühle nicht mehr zuzulassen oder nicht mehr darüber zu reden“, sagt Maatouk.

Trotzdem hält der Psychoonkologe subjektive Krankheitstheorien nicht grundsätzlich für schlecht. Zwar kann die Psyche den Krebs nicht heilen – mit den richtigen Strategien lässt sich aber das Wohlbefinden verbessern. Etwa 30 Prozent der Krebspatienten bekommen psychische Probleme, berichtet Susanne Weg-Remers, Leiterin des Krebsinformationsdienstes am DKFZ.

Manchen Betroffenen helfe Autogenes Training oder Yoga. „Bei vielen reicht das aber nicht“, sagt Weg-Remers. Sie benötigen eine Psychotherapie. Bei Sabine Dinkel war es der Humor, der sie ins Leben zurückholte. Weil sie kein lustiges Ratgeberbuch fand, schrieb sie selber eins: „Krebs ist, wenn man trotzdem lacht“. „Ich wollte weg von dieser Problem-Trance, wo man immer nur von ,kämpfen‘, und ,siegen‘ redet.“

Dinkels Krebs kam ein Jahr nach der Chemotherapie zurück. „Davor dachte ich immer: Wenn das passiert, haut es mich aus den Schuhen. Aber das war nicht so. Nach meiner ersten Chemo wusste ich, was ich bei der zweiten besser machen kann.“ Sie hat ihre Situation akzeptiert: „Ich werde wahrscheinlich nicht so alt wie Johannes Heesters, aber ich kann noch ein schönes Leben haben.“

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