PORT-AU-PRINCE Das Zentrum von Port-au-Prince ist eine Trümmerwüste. Kein Gebäude, das nicht schwer beschädigt oder völlig zerstört ist. Auch in der Straße der Wunder (Rue des Miracles) liegen die meisten Gebäude in Schutt und Asche. Die Straße ist inzwischen freigeräumt und man kann passieren.

Am Mittwochmorgen fiel hier bei dem schweren Nachbeben ein bereits zerstörtes Gebäude völlig in sich zusammen. Die Ruinen begruben 20 Menschen unter sich. Sie waren in den schwer beschädigten Räumen untergekommen und hatten dort Waren abgestellt, um damit einen neuen Anfang zu machen.

Deutsche im Einsatz

Begleitet von zehn US-Soldaten steht das Team der deutschen Lebensretter I.S.A.R. auf einer nahen Kreuzung. Am Tag zuvor hatten sie gemeinsam mit Mexikanern eine Frau lebend gerettet. Die Rettungsprofis stammen aus Köln, Kerpen und anderen Städten Deutschlands. Von irgendwoher kommt der Hinweis, dass in dem Ruinenhaufen ein kleines Mädchen gehört worden sei.

Sofort marschiert die Gruppe los. Dort stehen bereits Dutzende von Neugierigen. Auch der verzweifelte Vater ist dort. Frank Schultes, Chef des Rettungstrupps, klettert auf die Ruinen und sucht die Stelle, an der die Stimme des Kindes gehört worden war. Ein Suchhund wird geholt, Geräuschsensoren und Kameras werden in die Hohlräume in der Tiefe geschoben. Doch bis zum Abend gibt es keine Erfolgsmeldung.

1600 Rettungsspezialisten sind zwischen den Trümmern der haitianischen Hauptstadt unterwegs. Zu ihnen gehören 50 Spezialisten für Gebäuderettung. Im Alltag sind sie Feuerwehrleute, Rettungsassistenten, Sanitäter mit Spezialkenntnissen und Ärzte.

„Hier ist es besonders schwer“, sagt Schultes, der mit seinem Team schon bei vielen Katastrophen im Einsatz war. „Dies ist ein Erdbeben in einem Land, das schon ein Krisengebiet war.“ Allmählich wird die Hilfe der Welt für Haiti sichtbar. Die Lagerhallen am Flughafen füllen sich mit Hilfsgütern und warten darauf, dass sie an die notleidende Bevölkerung verteilt werden. Am Mittwoch begannen Lebensmittelabgaben im größeren Stil, nachdem bereits überall in der Stadt Mauern und Plakate bemalt worden sind: „Wir brauchen Hilfe“, „Wir haben Hunger, gebt uns Essen“.

Leben im Fußballstadion

Im Kinderzentrum der Heilsarmee im Stadtteil Delmas 2 arbeitet die deutsche Kindernothilfe. Hier finden Mädchen und Jungen von zwei bis sechs Jahren eine Bleibe. „Tausende starben in den Trümmern ihrer Schulen. In Carrefour, dem Epizentrum westlich von Port-au-Prince, wurden von 350 Kindern nur 29 lebend geborgen“, berichtet Alinx Jean-Baptiste, Repräsentant der Organisation in Haiti.

Im nahen Fußballstadion leben rund 2000 Familien unter freiem Himmel. Eine Fläche in der Mitte des Platzes ist frei geblieben. Dort haben sie ihre Toten verscharrt.

Viele Amputationen

In den Krankenhäusern und weiterhin auch unter freiem Himmel werden die Überlebenden behandelt. Vielen, denen nicht schon beim Beben die Gliedmaßen abgequetscht wurden, müssen schwer verletzte Arme oder Beine wegen Wundbrandes amputiert werden – oft ohne Betäubung, wie Ärzte berichten. Auch in den wenigen nicht zerstörten Hospitälern fehlt es an Lebensmitteln. In normalen Zeiten haben die Familien Kranke mit Essen und Trinken versorgt. Doch jetzt sind die Überlebenden obdachlos und haben selbst nichts mehr.

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