Gütersloh /Berlin Angesichts des massiven Corona-Ausbruchs beim Fleischkonzern Tönnies im Kreis Gütersloh mit 1553 infizierten Mitarbeitern weisen inzwischen fast alle Bundesländer Touristen aus der Region ab. Nur wenige Bundesländer verzichten bislang auf Beherbergungsverbote oder andere Maßnahmen, die in der nun begonnenen Sommer-Reisesaison eine Ausbreitung der Pandemie verhindern sollen. Ausnahmen gibt es allenfalls für Menschen, die einen negativen Corona-Test vorweisen können.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) dankte am Freitag den Bürgern in den Kreisen Gütersloh und Warendorf für ihr Mitwirken am Lockdown. Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) lässt prüfen, ob Tönnies haftbar gemacht werden kann.

Am Freitag begannen in Nordrhein-Westfalen die Sommerferien, Zehntausende Menschen brachen im bevölkerungsreichsten Bundesland in den Urlaub auf. In anderen Bundesländern besteht daher die Sorge, dass das Virus in die Urlaubsziele verschleppt werden könnte. Am Freitag erließen zum Beispiel auch Brandenburg, Hessen und das Saarland Beherbergungsverbote für Gäste aus Corona-Risikogebieten. Allerdings fiel zum Beispiel laut Robert Koch-Institut im Kreis Warendorf die Zahl der Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner innerhalb der vergangenen sieben Tage mit 47,9 wieder unter den entscheidenden Wert von 50. Bayern hob daraufhin ein Übernachtungsverbot für Menschen aus dem Kreis wieder auf.

Auch im Kreis Gütersloh, in dem ebenfalls nach dem Corona-Ausbruch bei Tönnies ein regionaler Lockdown gilt, sinkt die Kennziffer nach ex­trem hohen Werten weiter. Mit 177,7 Fällen je 100 000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen (Donnerstag: 192,8) lag der Wert am Freitag aber weiter deutlich über der Marke von 50. Am Dienstag betrug der Wert laut NRW-Gesundheitsministerium noch 270,2.

Verhalten inakzeptabel

Die Bundesregierung rief bei regionalen Corona-Ausbrüchen wie in den Kreisen Gütersloh und Warendorf zu Solidarität auf und warnte vor einem Anprangern dort lebender Menschen. „Jede Region kann plötzlich von einem Ausbruch betroffen sein“, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert in Berlin. Er verurteilte es scharf, dass Menschen aus den Kreisen beleidigt und ihre Autos zerkratzt worden seien. Das sei ein „völlig inakzeptables und widerwärtiges“ Verhalten. Gefragt sei dagegen gerade in schwierigen Situationen gegenseitiger Respekt.

Die Kanzlerin rief am Freitag den Landrat des Kreises Gütersloh, Sven-Georg Adenauer, an. „Die Bundeskanzlerin hat Mut gemacht und sich bei mir bedankt“, sagte der CDU-Politiker laut Pressemitteilung. Sie habe gesagt, die Bürgerinnen und Bürger des Kreises seien unverschuldet in die aktuelle Situation gekommen. Durch den Lockdown und die damit verbundenen Beschränkungen leisteten sie einen sehr wichtigen Beitrag, damit sich das Virus nicht über den Kreis Gütersloh hinaus auch in Deutschland ausbreiten könne.

Ministerpräsident Laschet sagte dem Redaktionsnetzwerk Deutschland, er sehe den Tönnies-Konzern in der Verantwortung. „Es wird derzeit sehr genau geprüft, ob und gegen welche Regeln das Unternehmen verstoßen hat und wo es in Haftung genommen werden kann.“

Keine Verschärfung

Im Fall des Moerser Dönerfleischproduzent Öztas gab es am Freitag keine Verschärfung der Lage: Es kamen nur noch drei neue Corona-Nachweise bei Mitarbeitern dazu, die Zahl lag somit bei 82. Der Betrieb in Nordrhein-Westfalen wird nun ab diesem Samstag für zwei Wochen geschlossen. Das kündigte der Landrat des Kreises Wesel, Ansgar Müller, am Freitag in Wesel an.

Alle rund 275 Beschäftigten mit Ausnahme von 17 Urlaubern in dem Unternehmen seien nun getestet, sagte der Gesundheitsdezernent des Kreises, Michael Maas. Nun würden Kontaktpersonen von Infizierten systematisch mit Reihentests untersucht. Dazu würde die Zahl der beauftragten Mitarbeiter verdoppelt.

Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.