Frage: Frau Eden, am Mittwoch beginnt die Frankfurter Buchmesse. Besitzt die riesige Bücherschau angesichts veränderten Leseverhaltens noch immer die Relevanz von einst?
Eden: Die Frankfurter Buchmesse bleibt das große internationale Branchentreffen, das ich als Akteurin des Literaturbetriebs nicht ignorieren kann. Richtig ist aber auch, dass angesichts des veränderten Leser- und Nutzerverhaltens das Angebot der Medien in den Messehallen immer größer und vielfältiger wird.
Frage: Hat die Buchmesse darüber hinaus einen gesellschaftspolitischen Stellenwert?
Eden: Ganz gewiss. Diesen Anspruch formuliert auch
Juergen Boos, der Direktor der Buchmesse. Sie bündelt die großen Themen der Gegenwart wie ein Brennglas. Für Gegenwartsliteratur gilt das in meinen Augen immer: weil sie Zeitgenossenschaft abbildet.
Frage: Außerdem will man den vielen Besuchern ein Messeerlebnis bieten und den jungen Nutzern den Zugang zum Lesen ermöglichen.
Eden: Das ist das Zukunftsthema, um das in der Branche viele Fragen kreisen. Es geht einerseits um die technische Nutzung: Auf welchem Digitalgerät ist ein Buch konsumierbar? Auf der anderen Seite geht es um die Frage: Auf welchen Wegen können Autoren und Verlage junge Leser überhaupt noch erreichen?
Frage: Die Buchmesse probiert deshalb vieles aus: Es gibt in Frankfurt eine Start-up-Area, Foren für Bookstagrammer, auch Blogger sollen verstärkt zum Einsatz kommen. Was halten Sie davon?
Eden: Es gibt kluge und anspruchsvolle Literaturblogs. Zum Beispiel von Mirko
Bonné oder Alban Nikolai Herbst. In der Literaturkritik glaube ich aber nicht an Schwarmintelligenz und vertraue lieber einem mir namentlich bekannten Kritiker als Bloggerin „Susi99“. Ich verstehe ja, dass die Messe hier unter einem großen Handlungsdruck steht. Dennoch bin ich sicher, dass Leseförderung besser vor Ort ansetzen sollte: beim Vorlesen zu Hause, unbedingt in den Schulen und Bibliotheken, in den Veranstaltungsformaten der Literaturhäuser und in Oldenburg bei der Kibum.
Frage: Gastland der Buchmesse 2019 ist Norwegen. Was verbinden Sie damit?
Eden: Die Gäste aus Norwegen haben sich viel einfallen lassen. Das beginnt mit dem Sonderzug nach Frankfurt, in dem Kronprinzessin Mette-Marit am 15. Oktober von Schriftstellern ihres Landes begleitet wird. Auf der Eröffnungsfeier der Buchmesse sprechen Erika Fatland und Karl Ove Knausgård. Norwegens Auftritt steht unter dem Motto „Der Traum in uns“. Die Worte basieren auf dem Gedicht „Das ist der Traum“ des bekannten norwegischen Lyrikers Olav H. Hauge – übrigens Siri Hustveds liebster norwegischer Dichter.
Frage: Haben Sie abschließend einen Lesetipp für uns?
Eden: Passend zum Gastland empfehle ich das Buch eines norwegischen Schriftstellers. Unter dem Titel „Ein Hummer-Leben“ ist der neue Roman Erik Fosnes Hansens erschienen, der vom Niedergang eines einstmals mondänen Hotels in den norwegischen Bergen erzählt.
Oliver Schulz Redakteur / Kulturredaktion
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