Frankfurt /Main Die Norweger kommen. Mit dem Zug. Inklusive Prinzessin. Das macht dem diesjährigen Ehrengast der Frankfurter Buchmesse so schnell keiner nach. Wenn alles läuft wie geplant, rollt zur Eröffnung am 15. Oktober am Frankfurter Hauptbahnhof der „Literaturzug“ ein. An Bord: Kronprinzessin Mette-Marit und zwei Dutzend der bekanntesten Autoren ihres Landes.

Der Gastland-Auftritt steht unter dem Motto „Der Traum in uns“. Wie der Pavillon aussieht, ist noch geheim. Die Norweger wollen „imaginäre Geografie der norwegischen Literatur“ zeichnen, deutet Walsø an. Kein Geheimnis ist die Rednerliste bei der Eröffnungsfeier: Neben Norwegens Ministerpräsidentin Erna Solberg werden Karl-Ove Knausgård und Erika Fatland als literarische Redner sprechen.

Das Gastland genießt stets die größte Aufmerksamkeit, ist aber nur ein Teil der Buchmesse. Insgesamt erwartet Buchmessen-Direktor Juergen Boos etwa 7500 Aussteller aus 150 Ländern in Frankfurt. Damit läge die Messe auf Vorjahresniveau. Der Ticket-Vorverkauf laufe sogar besser, hatte Boos schon im September gesagt. 2018 waren an den fünf Messetagen mehr als 285 000 Besucher gekommen.

Die Messe ist inzwischen so divers, dass man kaum noch einen Schwerpunkt ausmachen kann. Das ist durchaus gewollt: „Wie ein großes Brennglas bündelt die Frankfurter Buchmesse die großen Themen der Gegenwart“, sagt Boos. Wichtig ist ihm, dass von der Buchmesse auch ein gesellschaftliches Signal ausgeht. Eine ganze Reihe von Kampagnen und Veranstaltungen haben den Kampf um die Meinungsfreiheit im Blick.

Ein weiteres Thema: die Erweiterung des Erzählens. Bewegte Bilder bekommen mehr Raum, virtuelle Realität und künstliche Intelligenz werden erstmals breiter behandelt. Dafür wird das Frankfurter Festival „Biennale des Bewegten Bildes“ in den Messebereich „The Arts+“ integriert.

Zu sehen sind 360-Grad-Ausstellungen, Erlebnisse hinter VR-Brillen und experimentelle Digital-Kunst. Ein weiterer Trend sind Audio-Produkte. Erstmals hat die Messe für Hörbücher oder Podcasts einen eigenen Bereich geschaffen.

300 000 Bücher mehr

Anders als in den Vorjahren gibt es aktuell hoffnungsvolle Signale für Buchhändler und Verlage: Zum ersten Mal seit 2012 ist die Zahl der Buchkäufe in Deutschland wieder gestiegen. Kauften 2017 noch 29,6 Millionen Menschen mindestens ein Buch im Jahr, waren es 2018 bereits wieder 29,9 Millionen.

Auch das laufende Jahr sei erfolgreich gestartet, sagt der Hauptgeschäftsführer des Börsenverein des Deutschen Buchhandels, Alexander Skipis: Der Umsatz stieg bis August 2019 um 2,9 Prozent. „Der Funke hat die Glut zum Lodern gebracht“, sagte Skipis. „Für den Rest den Jahres sind wir sehr optimistisch.“

Damit der Trend sich fortsetzt, will die Messe „Zukunftsthemen“ fest im Blick behalten: neue Technik, neue Vermittlungsformen, neue Lesergruppen. Für Anbieter technischer Lösungen wurde eine „Start-Up Area“ ins Leben gerufen. Es gibt Foren für „Bookstagrammer“, Buchblogger und „BookTuber“. Jugendliche bekommen neben den „Kids“ ein eigenes Areal für die „New Generation“.

Während die Messe unter der Woche den Fachbesuchern vorbehalten ist, lockt das Publikumswochenende mit Stars: TV-Moderator Thomas Gottschalk, Wald-Experte Peter Wohlleben, Krimi-Autorin Nele Neuhaus und Klimaaktivistin Luisa Neubauer sind beispielsweise dabei. Die deutsche spielt gegen die norwegische Autoren-Nationalmannschaft, 50 Jahre nach der deutschen Veröffentlichung gibt es ein „Herr der Ringe“-Event.

Noch stärker als in den Vorjahren drängt die Buchmesse in die Frankfurter Innenstadt. Unter dem Titel „Bookfest“ tritt die Messe neuerdings selbst als Veranstalter auf. 30 Veranstaltungen finden auf der Messe, 50 außerhalb statt. Unter anderem sind Ken Follett, Margaret Atwood und Elif Shafak dabei.

Großes Lesefest

Das städtische Lesefest „Open Books“ ist so groß wie nie: 172 Veranstaltungen mit 240 Autoren an rund einem Dutzend Orten. Einer der Höhepunkte außerhalb des Messegeländes: Dirk Nowitzki, deutsche Basketball-Legende, stellt im Schauspiel in Frankfurt seine Biografie vor.

Zum ersten Mal können Besucher am gesamten Publikumswochenende – also am 19. und 20. Oktober – auf der Messe Bücher kaufen. Lange Zeit war das nicht erlaubt, in den vergangenen Jahren durften die Verlage immerhin ab Sonntagmittag ihre Ware verkaufen. Für viele Gäste war das unverständlich, sie hätten am liebsten sofort zugeschlagen. Dem kommt die Messe nun nach. Günstiger sind die Bücher aber nicht, es gilt die Buchpreisbindung und damit der Ladenpreis.


     www.buchmesse.de 
Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.