Oldenburg Neun Stunden beträgt die maximale Lenkzeit für Kraftfahrer in Deutschland. Das bedeutet meistens neun Stunden lang Autobahn, neun Stunden lang rechte Spur, zwischendurch 45 Minuten Pause. „Bei so einer permanenten Monotonie ist es möglich, dass für manch einen ein Stauende überraschend kommt“, sagt Wolfgang Blindenbacher, Vorsitzender der Verkehrskommission der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG).

Eine Lösung könnten Fahrerassistenzsysteme sein. „Abstandswarner und Notbremssysteme sorgen dafür, dass auch der abgelenkte Fahrer ein Stauende bemerkt“, erklärt der Polizeigewerkschafter. Das Risiko würde sinken.

Das sehen viele Experten ähnlich, einige gehen sogar noch weiter. Die meisten Lkw-Unfälle könnten einer Studie der Unternehmensberatung Roland Berger zufolge mit selbstfahrenden Lastwagen verhindert werden. „Automatisierte Lkw lösen gleich mehrere Probleme des Güterverkehrs auf einen Schlag: Lenkzeiten, Sicherheit und Betriebskosten“, heißt es dort. Die Unfallgefahr würde demnach dramatisch sinken. Doch autonomes Fahren ist in Deutschland Zukunftsmusik.

2009 beschloss die EU, dass bestimmte Fahrerassistenzsysteme für neue Nutzfahrzeuge Pflicht werden. Das Problem: Die Richtlinie greift etwa für das Notbremssystem erst seit Ende 2015. Bis alle alten Lkw von den Straßen verschwunden sind, vergehen Jahre.

„Das Modernisieren der alten Lastwagen wäre wünschenswert“, sagt Diana Sprung vom ADAC. „Es ist aber aufwendig.“ Deshalb fordert Niedersachsens Verkehrsminister Olaf Lies (SPD, Sande) finanzielle Anreize für Spediteure. „Wer einen Lastwagen ohne intelligente Fahrassistenzsystem fährt, soll auch stärker zur Kasse gebeten werden.“ Sein Plan: Spediteure, die nachrüsten oder neu anschaffen, zahlen weniger Maut. Es sei „unbegreiflich“, dass Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) den Vorschlag nicht unterstütze. Wichtig sei laut Lies aber auch, dass die Systeme verpflichtend genutzt werden.

Denn da liegt das nächste Problem: Fahrerassistenzsysteme lassen sich ausschalten. Das ist laut Polizeigewerkschafter Blindenbacher zwar in einigen Situationen nötig. „Wenn Lastwagen in einer Kolonne auf eine Fähre fahren, würde sich der Abstandswarner zum Beispiel die ganze Zeit melden.“ Abgeschaltet wird aber auch auf der Autobahn, etwa wenn ein Fahrer im Windschatten eines anderen Lastwagens fahren will. Denn auch dann würde permanent gewarnt, eventuell sogar automatisch gebremst.

„Durch eine bestehende Abschaltfunktion kann der Fahrer im Extremfall seine gesamte Lenkzeit ohne die obligatorisch vorgeschriebenen Sicherheitssysteme absolvieren“, heißt es beim Bundesverband Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL). Der BGL plädiert dafür, dass sich die Systeme nach einer bestimmten Zeit selbst wieder einschalten.

Die DPolG ist dafür, dass Notbremsassistent und Abstandswarner auf Autobahnen immer funktionieren. „Sie müssten sich einfach automatisch einschalten, wenn der Lastwagen mehr als 60 Stundenkilometer fährt“, sagt Blindenbacher. Denn schneller als 60 Stundenkilometer dürfen Lkw mit einem zulässigen Gesamtgewicht von mehr als 7,5 Tonnen nur auf der Autobahn fahren. „Und genau dort gibt es diese heftigen Unfälle.“

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