DEutsches Rotes Kreuz unterstützt Haiti-Wiederaufbau mit 18 Millionen Euro

Fünf Wochen nach der Erdbebenkatastrophe in Haiti startet das Deutsche Rote Kreuz (DRK) langfristige Projekte zum Wiederaufbau des Inselstaats. Vorerst sind Maßnahmen in Höhe von 18 Millionen Euro (Spenden) im Bereich Medizin und Infrastruktur geplant.

Zwei Drittel der Spenden (zwölf Millionen Euro) sollen in die Gesundheitsvorsorge fließen: So wird das DRK unter anderem für zwei Millionen Euro ein Krankenhaus in Carrefour neu bauen und das Gebäude der Blutbank neu errichten. Dann kann auch das mobile Rotkreuz-Hospital in feste Räume umziehen. Zudem gibt es Orthopädie-Projekte. Diese Arbeit ist langfristig angelegt, da Kinder und Jugendliche wegen ihres Wachstums jedes Jahr neue Prothesen brauchen.

Der Infrastruktur kommt ein Drittel des Geldes (sechs Millionen Euro) zugute. Da die Regenzeit in Haiti im April beginnt, und die Hurrikan- Saison im August, soll nun der Bau von Behelfsunterkünften aus Holz und Wellblech für mindestens 1500 Familien Schwerpunkt sein. Den Menschen auf dem Land werden widerstandsfähige Unterkünfte aus einheimischen Materialen zur Verfügung gestellt, die möglichst auch die Hurrikan-Saison überstehen.

www.drk.de

Für die Rotkreuzler ist die Arbeit in dem vom Erbeben erschütterten Inselstaat einer der größten Hilfseinsätze in der Geschichte. 82 Deutsche sind vor Ort.

Von Norbert Wahn,

Redaktion Berlin

Frage: Herr Seiters, das schwere Erdbeben hat den Inselstaat Haiti ins Chaos gestürzt. Wie wichtig ist die internationale Hilfe für das Land?

Seiters: Als ich am frühen Morgen des 13. Januar von den Erdbeben erfuhr, war mir klar, dass wir auf eine humanitäre Katastrophe zusteuern. Erst im Dezember hatte ich die Karibikinsel bereist und die Projekte des Deutschen Roten Kreuzes dort besucht. Die Armut und die Schutzlosigkeit der Menschen gegenüber Naturkatastrophen, Krankheit, Mangelernährung und Gewalt waren erschreckend. Die weltweite Hilfsbereitschaft für die Erdbebenopfer Haitis kann jetzt aber auch eine Chance sein – eine Chance für einen Neubeginn.

Frage: Wie sehen die besonderen Herausforderungen dieses DRK-Einsatzes in Haiti aus?

Seiters: Das ist eine der größten Naturkatastrophen der letzten Jahrzehnte gewesen: Über 200 000 Tote, eine Hauptstadt fast völlig zerstört, ein Trümmerfeld, Millionen Menschen obdachlos. So kam es zunächst darauf an, Nothilfe zu leisten. Das ist in den letzten Wochen geschehen. Die Nothilfe musste koordiniert werden, was nicht ganz einfach war. Dieser zerfallene Staat war allein völlig überfordert. Es gibt dort keinen funktionierenden Katastrophenschutz. Logistische Probleme mussten gelöst werden. Und über die Nothilfe hinaus wird es jetzt darauf ankommen, einen Langfristplan aufzustellen und umzusetzen, der den Menschen wieder eine Perspektive gibt. Man kann aber jetzt schon sagen, dass es in der 150-jährigen Rotkreuz-Geschichte einer der größten Hilfseinsätze für ein einzelnes Land überhaupt ist. Das Rote Kreuz ist mit über 500 internationalen Helfern permanent vor Ort.

Frage: Was sind die Schwerpunkte des Deutschen Roten Kreuzes in Haiti?

Seiters: Wir hatten schon vor dem Erdbeben mehrere Projekte in Haiti: zur Katastrophenvorsorge, zur Schulung, zum Aufbau von regionalen Warndiensten, zur Ausstattung der Bevölkerung mit einfachen Kommunikationsmitteln für sich abzeichnende Katastrophen. Nach dem Erdbeben haben wir zunächst eine mobile Gesundheitsstation nach Haiti geschafft, danach ein großes mobiles Krankenhaus aufgebaut, das 250 000 Menschen versorgen kann. Es bleibt aber nach wie vor die Aufgabe der Verteilung von Hilfsgütern.

Frage: Wie viele Helfer aus Deutschland sind vor Ort und wie lange bleiben sie im Einsatz?

Seiters: Im Augenblick sind vom Deutschen Roten Kreuz 82 Ärzte, Krankenschwestern und Techniker in Haiti, die aber regelmäßig ausgetauscht werden. Zunächst einmal sind die Einrichtungen, die wir dort aufgebaut haben, für einen mehrmonatigen Einsatz ausgerichtet. Wir werden aber sicherlich eine ganze Reihe von Jahren dableiben, mindestens drei bis vier. Ob diese Zeit ausreicht, muss man sehen.

Frage: Das DRK hat bisher 18 Millionen Euro an Spendengeldern erhalten. Überrascht Sie die Höhe dieser Summe?

Seiters: Die zugesagten Spendengelder werden sogar noch etwas höher sein. Diese Summe ist nicht so hoch wie beim Tsunami, sie ist aber erheblich höher als bei anderen Naturkatastrophen. Als im Jahr 2008 drei Hurrikans und ein Tropensturm auch erhebliche Verwüstungen in Haiti angerichtet haben, die Bilder aber nicht so beeindruckend waren, gab es eine Spendensumme von 30 000 Euro. Damals waren 165 000 Familien betroffen. Dagegen ist der Betrag von 18 Millionen natürlich schon sehr beachtlich. Das Geld wird auch gebraucht. Von daher sind wir vom Roten Kreuz, aber auch die anderen Hilfsorganisationen, den Spendern außerordentlich dankbar. Ob das nun Schulklassen waren, die gesammelt haben, oder die Menschen, die mit der Sammelbüchse auf die Straße gegangen sind. Deutschland ist ein Land, das an der Spitze steht, wenn es darum geht, Menschen in Not zu helfen. Und ich kann sagen: Es kommt kein Geld in falsche Kanäle. Das Geld steht unter deutscher Kontrolle.

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