Berlin Ungläubig tritt der SPD-Bundestagsabgeordnete Burkhard Lischka nach der Sitzung des Parlamentarischen Kontrollgremiums vor die Kameras. „Es gibt Geschichten, wenn ein Autor damit zu einem Verlag gehen würde für einen Fantasy­roman – die sind vielleicht so überzeichnet, dass solche Geschichten durch einen Verlag abgelehnt würden“, sagt er. „In der Realität ist das manchmal anders.“ Er spricht von Franco A.: Ein fremdenfeindlicher Soldat, der ein Doppelleben als Flüchtling führt, womöglich einen Anschlag plant. Der Fall wirft Fragen auf:

Wer ist der verhaftete Franco A.?

Weder Anfänger noch Dummchen, sagen Parlamentarier, sie sprechen von hoher krimineller Energie. Der Mann ist Oberleutnant, genoss eine französische Generalstabsausbildung. Auf einem Bild wirkt er harmlos, mit Brille und akkurater Frisur. Er ist im Jägerbataillon 291 im französischen Illkirch stationiert. Franco A. spricht gut Französisch, bringt gute Leistungen, verhält sich unauffällig. Er ist im Ruderclub Offenbach aktiv, genau wie sein mutmaßlicher Komplize, ein 24-jähriger Student.

Wie hat er sein Doppel­leben konstruiert?

Franco A. meldet sich Ende 2015 bei der Polizei in Offenbach als Flüchtling. Er wird in die Erstaufnahmeeinrichtung Gießen-Meisenbornweg geschickt, Anfang 2016 der bayerischen Erstaufnahmestelle in Zirndorf zugewiesen. Franco A. schlüpft in die Rolle eines Obstverkäufers aus Damaskus. Medienberichten zufolge nennt er sich „David Benjamin“. Die mangelnden Arabischkenntnisse erklärt er damit, dass er in einer französischstämmigen Kolonie in Damaskus aufgewachsen sei. Er wird als Flüchtling registriert, erhält einen Platz im Heim, bezieht neben seinem Soldatensold Leistungen. „Während der Unterbringung (...) verhielt er sich unauffällig und war erreichbar, Behördentermine nahm er wahr“, berichtet das bayerische Ministerium für Integration.

Was führte Franco A. genau im Schilde?

Er schweigt bislang. Es gibt keine Hinweise auf konkrete Anschlagspläne. Aber Sicherheitskreise bestätigen unter vorgehaltener Hand die prominenteste Theorie: Dass Franco A. einen Anschlag verüben wollte, um ihn Asylbewerbern in die Schuhe zu schieben. Offiziell bestätigt ist das nicht. Ziemlich sicher hingegen: Der Mann wird von Fremdenhass getrieben. In Sprachnachrichten mit seinem Komplizen offenbart er seine rechtsextreme Gesinnung.

Wieso schöpfen die Behörden keinen Verdacht?

Das ist die große Frage. Franco A. ist laut Verteidigungsministerium seit acht Jahren bei der Bundeswehr. Aber von rechtsradikalen oder terroristischen Umtrieben bekommt der Militärische Abschirmdienst (MAD) nichts mit. Erst nach dem Fund einer versteckten Pistole am Wiener Flughafen befragen ihn die Geheimdienstler. In der Kritik steht aber vor allem das Bundesamt für Flüchtlinge (Bamf), weil es sich von ihm derart täuschen ließ – und das lange nach dem Zenit der Flüchtlingskrise. Franco A. wird im November 2016 angehört, also nach der personellen Aufstockung und der Verbesserung der Verfahren.

Hat der Fall politische Konsequenzen?

Zumindest rufen nun alle nach Aufklärung. Dem Bamf wird eklatantes Versagen vorgeworfen, ebenso dem MAD. Nachträglich sollen nun jedenfalls alte Asylfälle geprüft werden. Wie und welche, ist noch unklar. Die Union pocht erneut auf ihre Forderung, Bamf-Mitarbeitern Bundespolizisten und Verfassungsschützer zur Seite zu stellen.

Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.