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Grenzwert von 35 überschritten
Maskenpflicht in Oldenburger Innenstadt ab Dienstag

Berlin /Potsdam Lange war es befürchtet worden, nun ist es so gekommen: Deutschland ist nicht mehr frei von der Afrikanischen Schweinepest. Wie geht es nun weiter?

Wie gelangte die Schweinepest nach Deutschland ?

Das ist unklar. Ein Wildschwein mit Virus war in Brandenburg in der Nähe der Grenze zu Polen tot gefunden worden. Denkbar ist: Das Wildschwein ist „eingewandert“, eventuell aus dem Nachbarland Polen, wo es schon seit Monaten zahlreiche Ausbruchsfälle gibt. Die Nähe des Kadaver-Fundorts zur Grenze von etwa sechs Kilometern spricht nach Ansicht des bundeseigenen Friedrich-Loeffler-Instituts dafür. Aber auch eine Einschleppung durch den Menschen über kontaminierte Lebensmittel könne nicht ausgeschlossen werden.

Der stark verweste Kadaver war bereits am Freitag vergangener Woche auf einem abgeernteten Maisfeld in der Gemeinde Schenkendöbern im Landkreis Spree-Neiße von einem Spaziergänger entdeckt worden, der den zuständigen Jäger informierte. Die Herkunft des Tieres wird derzeit unter die Lupe genommen.

Wie gefährlich ist die Tierseuche ?

„Die Afrikanische Schweinepest ist für Menschen ungefährlich“, betont Bundesagrarministerin Julia Klöckner (CDU). „Auch vom Verzehr von kontaminiertem Fleisch gehen keine Gefahren für den Menschen aus.“ Anders sieht es für Haus- und Wildschweine aus – für sie ist die Seuche in fast allen Fällen tödlich.

Kam der erste Fall hierzulande überraschend?

Nein. Klöckner verwies darauf, dass es seit mehreren Jahren Aufklärung und Vorsorge gegeben habe – zum Beispiel für Landwirte, Jäger und Fernfahrer. Für Schweinehalter gelten Hygienevorgaben. Auch die Länder waren vorbereitet: Nach dem ersten Schweinepest-Fall in Polen im November 2019 begann Brandenburg mit dem Bau eines 120 Kilometer langen mobilen Elektrozauns an einem Teil der Grenze. Die Seuche sei immer näher herangerückt, sagte Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD). Deshalb sei das Land relativ gut vorbereitet.

Wie geht es nach dem Fund weiter?

„Wir müssen jetzt alles versuchen, um eine weitere Ausbreitung des Seuchengeschehens zu verhindern“, sagte Brandenburgs Verbraucherschutzministerin Ursula Nonnemacher (Grüne).

Aus dem betroffenen Gebiet dürfen keine Tiere und kein Schweinefleisch herausgebracht werden. Dort gibt es rund 20 Schweinehalter, einer mit 5000 Schweinen ist nur sieben Kilometer vom Fundort des Kadavers entfernt.

Experten sind dabei, ein vorläufig gefährdetes Gebiet mit einem Radius von 15 Kilometern um den Fundort einzurichten. Die Kernzone mit einen Radius von drei Kilometern soll ab diesem Samstag komplett mit einem Elektrozaun abgeriegelt werden.

Wird mit weiteren Schweinepest-Funden gerechnet?

Die Experten des Versicherers Münchener und Magdeburger Agrar gehen nach dem ersten bestätigten Fall von weiteren infizierten Tieren aus. „Wildschweine leben in Rotten“, sagte Martin Stricker, Leiter Schaden Tierversicherung des zur Allianz gehörenden Unternehmens. „Man kann also davon ausgehen, dass die Rotte, zu dem das Tier gehörte, auch infiziert ist.“

Wie kann eine Ausbreitung gestoppt werden?

Das Krisenmanagement zielt vor allem auf die betroffene Region. In der gefährdeten Zone ist ein striktes Jagdverbot vorgesehen, um Wildschweine nicht aufzuschrecken. Verendete Wildschweine werden verstärkt gesucht und beseitigt. Möglicherweise wird die Ernte von Maisfeldern verboten, weil sich Wildschweine dort gern aufhalten. In Schweinebetrieben werden Vorsorgemaßnahmen kon­trolliert. Auch Hoffeste oder Messen mit Schweinen sind tabu.

Was müssen Bürger noch wissen?

Das Friedrich-Loeffler-Institut ruft dazu auf, bundesweit tote Wildschweine sofort den Behörden zu melden, damit sie untersucht werden können.

Der Deutsche Jagdverband weist darauf hin, dass das Virus durch menschlichen Einfluss Sprünge bis zu 1000 Kilometer gemacht habe. Auch ein Wurstbrot sei schon als Ausbruchsquelle identifiziert worden. „Wenn ein krankes Schwein geschlachtet wird und daraus Wurst gemacht wird, dann hält sich das Virus darin noch 100 Tage“, sagte Sprecher Torsten Reinwald. Auf keinen Fall sollten Wurstbrote in der Natur entsorgt werden. So könnten Wildschweine sie fressen und sich infizieren.

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