Berlin /Hannover /München Es ist die erste Etappe in einer langen Suche, nichts ist entschieden. Dennoch dürften sich nun viele Menschen in Deutschland fragen: Kommt bald ein Atomklo in die Nachbarschaft? Insgesamt weisen nach einem Zwischenbericht 90 Gebiete günstige geologische Voraussetzungen auf, die nun genauer unter die Lupe genommen werden sollen. Gesucht wird der beste Ort, um hoch radioaktiven Atommüll eine Million Jahre lang möglichst sicher zu lagern. Nicht dabei ist der Salzstock Gorleben. Fragen und Antworten zur Endlager-Suche.

Warum wird überhaupt ein Endlager gesucht?

Spätestens Ende 2022 geht in Deutschland der letzte Atomreaktor vom Netz. Übrig bleiben unter anderem hochgefährliche Abfälle, die noch viele Tausend Jahre strahlen – und zwar etwa 1900 Behälter oder 27 000 Kubikmeter. Wo dieser Müll hin soll, ist offen. Es braucht ein Endlager, und es soll in Deutschland unterirdisch entstehen. 500 Jahre lang soll der Atommüll wieder geborgen werden können.

Wie läuft die Suche ab?

2031 soll der Standort gefunden sein, 2050 soll das Endlager in Betrieb gehen. Bei der Suche will man sich langsam ran tasten – wissenschaftsbasiert und transparent. Am Ende soll der Bundestag die endgültige Entscheidung treffen.

Welche Regionen kommen infrage?

Wirtsgesteine können Salz, Ton und Kristallin wie etwa Granit sein. 300 Meter Gestein sollen es sein zwischen Erdoberfläche und Endlager. Gibt es da Bergwerke, Erdbeben-Risiken, vulkanische Aktivitäten, junges Grundwasser? Dann ist der Standort ungeeignet. Auch die Besiedlung und andere Kriterien an der Oberfläche spielen eine Rolle. In der ersten Phase wurden Daten ausgewertet, die man schon hat. In der zweiten Phase wird an möglichen Standorten auch gebohrt und gemessen. In Phase 3 werden Erkundungsbergwerke gebaut, um noch gründlicher zu prüfen, welcher der beste Ort sein könnte.

Was steht in dem Zwischenbericht?

Nach Erkenntnissen der Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) weisen 90 Gebiete in Deutschland günstige geologische Voraussetzungen auf. Ein Anteil von 54 Prozent der Landesfläche ist als Teilgebiet ausgewiesen, darin ist die Überlagerung einiger Gebiete berücksichtigt. Teilgebiete sind laut BGE Gebiete, die eine günstige geologische Gesamtsituation für die Lagerung hoch radioaktiver Abfälle erwarten lassen. Die Teilgebiete verteilen sich auf alle Bundesländer – bis auf das Saarland. Laut Bericht gibt es sehr kleine Teilgebiete, z.B. Salzstöcke – aber auch sehr große Teilgebiete, etwa große Tonformationen. Diese können sich auch über Bundesländergrenzen hinweg erstrecken.

Warum ist der Salzstock Gorleben raus?

Geologische Mängel haben den Salzstock Gorleben ausgeschlossen. Unter anderem weist er ein nicht intaktes Deckgebirge vor, auch die Gewässerchemie spricht laut Bericht gegen den Standort. Die Entscheidung, Gorleben schon früh aus dem Suchverfahren zu nehmen, sei rein wissenschaftlich erfolgt, nicht auf politischen Druck. Gorleben weise keine „günstige Gesamtsituation“ auf.

Warum kommt Kritik vor allem aus Bayern?

Praktisch über Nacht wurden fast 42 000 Quadratkilometer des Freistaats zum zumindest geologisch geeigneten Standort eines Atommüll-Endlagers ausgewählt. Kein anderes Bundesland geht damit mit mehr Fläche in die weitere Endlager-Suche. Obwohl man in Bayern durchaus wusste, dass die gesuchten Wirtsgesteine – Granit, Salz und Ton – auch hier vielerorts vorkommen, war sich die Staatsregierung immer sicher, dass die Geologie dennoch nicht ausreicht, um den strahlenden Müll für eine Million Jahre zu verstecken. Nachdem aber laut BGE auch eine Barriere aus Gestein und technischen Maßnahmen, also etwa Betonbunker, und spezielle Container als ausreichend angesehen werden, sieht Bayern einen Grundsatz der Endlagersuche beschädigt. Hinzu kommt, dass CSU und Freie Wähler das Gefühl haben, das Verfahren sei nicht wissenschaftlich geführt, sondern politisch motiviert.

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