Berlin „Alexa, wie wird das Wetter heute?“ – „Alexa, wie hat der HSV heute gespielt?“ – „Alexa, spiele das Album ,Western Stars‘ von Bruce Springsteen.“ – „Alexa, stelle einen Timer auf 20 Minuten.“ Der Umgang mit dem vernetzten Lautsprecher von Amazon ist kinderleicht. Doch was passiert, wenn tatsächlich Kinder mit dem Sprachassistenten kommunizieren?

Mit diesem Thema hat sich aktuell der Wissenschaftliche Dienst des Bundestags beschäftigt. Der fraktionslose Bundestagsabgeordnete Uwe Kamann hatte die Frage aufgeworfen, ob es zulässig ist, dass Amazon die Spracheingaben der „Alexa“-Nutzer auswertet.

Die Antwort der Rechtsexperten fiel zwiespältig aus. Zum einen bescheinigte der Wissenschaftliche Dienst dem US-Konzern, sich an zentrale Bestimmungen der Europäischen Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) zu halten. Das betrifft die Frage, ob Amazon die Anwender ausreichend über die Datenverarbeitung informiert und nach ihrer Einwilligung fragt. In einem anderen Bereich sehen die Experten aber Probleme.

Die Risiken betreffen nach Einschätzung der Wissenschaftler vor allem Minderjährige und unbeteiligte Gäste, die ein mit „Alexa“ bestücktes Smart Home besuchen. Konkret geht es darum, dass Kinder persönliche Informationen preisgeben oder mit ihrer Stimme Inhalte abrufen könnten, die für Minderjährige nicht geeignet sind. Außerdem stellt sich die Frage, was mit Besuchern ist, die nicht wissen, dass die Software gerade aufzeichnet.

Mit Blick auf die USA sei zudem unklar, „zu welchen weiteren Zwecken Amazon seine Daten zukünftig nutzen könnte“, heißt es in dem Gutachten. Auch ein Datendiebstahl aus der Amazon Cloud könne nicht ausgeschlossen werden. Aufgrund der Masse der dort gespeicherten Informationen „könnte dies die Nutzer von ,Alexa‘ besonders sensibel treffen“.

Kamann hatte den Wissenschaftlichen Dienst gezielt nach „Alexa“ gefragt. Er betont jedoch: „Bei allen sprachbasierten Aufzeichnungssystemen gibt es diesen kritischen Punkt.“ Auch „Siri“ von Apple, der „Google Assistant“ sowie „Cortana“ von Microsoft können Fragen beantworten, bestimmte Musik abspielen und andere Aufgaben erledigen. Laut einer aktuellen Studie werden die Sprachassistenten besonders häufig in Familien genutzt.

Die „Alexa“-Software sendet erst dann Sprachdaten an Amazon, wenn der Nutzer ein Aktivierungswort ausspricht. Im Regelfall sind die aufgezeichneten Sprachhappen nur wenige Sekunden lang. Man kann mit „Alexa“ aber auch Sprachnachrichten verschicken, die natürlich auch sensiblere Themen berühren können.

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Auf Misstrauen stößt bei den Datenschützern auch eine neue Funktion: Amazon bietet den Nutzern von „Alexa“ neuerdings die Möglichkeit, ein persönliches Stimmprofil einzurichten. „Gerade die Möglichkeit der Stimmerkennung wird den Datenschutz vor zusätzliche Herausforderungen stellen“, schreiben die Experten des Wissenschaftlichen Dienstes.

Amazon kann diese Skepsis nicht nachvollziehen: Die Stimmprofile werden einem Sprecher zufolge nur genutzt, „um das individuelle Nutzererlebnis zu verbessern“. Auf den Befehl „Alexa, spiele Musik“ hin werden beispielsweise für verschiedene Profile unterschiedliche Titel abgespielt. Das Gerät für Kinder oder Gäste zu sperren, erlaubt die neue Stimmerkennung aber auch nicht.

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