Berlin Mit eindringlichen Appellen an die Bevölkerung haben Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und der selbst infizierte Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) erneut um Mithilfe bei der Eindämmung der Corona-Pandemie gebeten. „Bitte helfen Sie weiter mit und hören Sie nicht auf diejenigen, die verharmlosen und beschwichtigen. Es ist ernst“, sagte Spahn in einem am Sonntag auf seiner Facebookseite veröffentlichten Video. Merkel hatte einen Tag zuvor in ihrem Videopodcast ihren Appell aus der Vorwoche wiederholt und die Menschen darum gebeten, auf Reisen und Kontakte zu verzichten.

Kein Präsenzparteitag

Der für den 4. Dezember geplante Präsenzparteitag der CDU zur Wahl eines neuen Parteivorsitzenden ist vom Tisch. Das erfuhr die Nachrichtenagentur dpa am Sonntagabend nach Beratungen der engsten Parteispitze in Berlin. Details wurden zunächst nicht bekannt. Auch der für Freitag in Erfurt geplante Parteitag der Linken steht auf wackeligen Füßen. Dort sollen die Nachfolgerinnen der Parteichefs Katja Kipping und Bernd Riexinger bestimmt werden. Eine Absage am Dienstag ist nicht ausgeschlossen.

Aus Protest gegen die staatlichen Corona-Beschränkungen gingen am Sonntag in Berlin Demonstranten auf die Straße. Die Polizei sprach von rund 2000 Menschen, die sich auf dem Alexanderplatz versammelten. Eine für den späten Nachmittag geplante weitere Demonstration wurde von den Veranstaltern abgesagt. Dafür waren 10 000 Teilnehmer angemeldet worden.

Auch ein Vorfall aus der Nacht zu Sonntag beschäftigte die Berliner Polizei: Unbekannte hatten ein Gebäude des Robert Koch-Instituts (RKI) nach Polizeiangaben mit Brandsätzen attackiert. Die Flammen konnten demnach gelöscht werden. Ermittelt werde in alle Richtungen, sagte eine Polizeisprecherin, auch eine politische Motivation werde geprüft. Das Institut spielt in der Corona-Pandemie eine zentrale Rolle.

Merkels Appell

Merkel sagte in ihrem am Samstag veröffentlichten Videopodcast: „Das Gebot der Stunde heißt für uns alle: Kontakte reduzieren. Viel weniger Menschen treffen.“ Spahn sagte: „Wir wissen, was dieses Virus anrichten kann, gerade bei Menschen mit Vorerkrankungen und bei den Älteren, den Höchstbetagten“. Auch bei Jüngeren könne es zu schweren und schwersten Verläufen kommen. „Deshalb geben Sie weiter aufeinander acht.“ Man brauche jetzt einen Kraftakt: „Mithelfen, konsequent sein, zusammenhalten“.

Wirtschaft alarmiert

In der Wirtschaft wächst die Angst vor einem erneuten großflächigen Stillstand. Der Präsident des Groß- und Außenhandelsverbands BGA, Anton Börner, forderte daher „ein noch viel stärkeres Herunterfahren des öffentlichen Lebens“. Er sagte: „Je länger wir damit warten, umso größer wird der Schaden für die Gesundheit der Menschen und auch für die Wirtschaft. Lieber jetzt entschlossen handeln, auch wenn es schmerzhaft ist, damit uns nicht die Zeit davonrennt.“

Der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Andreas Gassen, warnte vor erneuten Verschiebungen von Arztterminen oder Operationen. „Die Ärzte sind für den Winter wesentlich besser gerüstet als zu Beginn der Pandemie. Es gibt für Patienten keinen Grund mehr, wie im März wegen Corona Krebsvorsorge-Termine oder wichtige Operationen zu verschieben“, sagte er. „Wir dürfen dabei nicht vergessen, dass es neben Covid-19 auch noch andere Krankheiten gibt“, so der KBV-Chef.

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