Berlin Nach einer monatelangen Diskussion und einer 180-Grad-Wende der Bundesregierung ging es dann doch sehr schnell: Die offizielle Corona-Warn-App des Bundes steht seit Dienstagmorgen zum Download bereit. Wissenswertes über die App zeigt dieser Überblick:

Wie kommt man an die Corona-Warn-App?

Die App kann im Google Play Store für Android-Smartphones und im App Store von Apple für iPhones heruntergeladen werden. Bei der Suche muss man den Begriff „Corona-Warn-App“ eingeben, nicht „Covid-19“ oder andere Suchworte. Startpunkt für eine Suche nach der offiziellen App kann auch die Homepage der Bundesregierung sein (www.corona-warn-app.de). Vor einer Installation sollte man überprüfen, ob die Systemvoraussetzungen erfüllt sind.

Was soll die App leisten?

Die App schützt die Anwender nicht davor, selbst mit dem Virus infiziert zu werden. Sie soll aber Infektionsketten frühzeitig erkennen und unterbrechen. Das Coronavirus kann schon ansteckend sein, bevor Krankheitssymptome bemerkbar sind. Die App hat die Aufgabe, Personen frühzeitig zu warnen, die mit Infizierten in Kontakt standen. Sie soll außerdem dazu beitragen, dass Betroffene schneller ihr Testergebnis erhalten.

Was wird über Bluetooth übertragen?

Mit der App verwandelt sich ein Smartphone in einen kleinen „Bluetooth-Leuchtturm“, der regelmäßig eine temporäre Identifikationsnummer 16-mal in die nähere Umgebung funkt. Gleichzeitig lauscht das Telefon, ob es Bluetooth-Signale von anderen empfangen kann. Halten sich Nutzer, die beide die App laufen haben, nebeneinander auf, tauschen die Smartphones ihre IDs aus.

Sieht damit meine nähere Umgebung all meine Kontaktdaten?

Nein. In dem Datenaustausch werden nie die Klarinformationen der Anwender verwendet. Die App generiert zunächst einen anonymisierten Tagesschlüssel. Aus diesem werden alle 15 Minuten neu temporäre IDs erzeugt, die dann mit den anderen Smartphones ausgetauscht werden. Sie lassen keinen direkten Rückschluss auf den Nutzer der App zu. Die ständig wechselnden temporären IDs werden für 14 Tage lokal auf dem Smartphone in Listen gespeichert und dann gelöscht.

Was passiert, wenn ein Anwender positiv getestet wurde?

In diesem Fall trägt man diesen Status selbst in die App ein. Das Meldesystem will dabei verhindern, dass versehentlich oder absichtlich eine falsche Infektionsmeldung in das System gelangt. Um einen Missbrauch oder Irrtum zu verhindern, muss der Positiv-Status offiziell bestätigt werden. Das geschieht zum einen über einen QR-Code, den man vom Testlabor erhält. Alternativ kann man eine TAN eingeben, die man von einer Telefon-Hotline bekommt, da nicht alle Labore in der Lage sind, QR-Codes zu generieren. Im Infektionsfall erhalten die betroffenen Kontakte eine Aufforderung, sich in Quarantäne zu begeben, sich beim Gesundheitsamt zu melden und sich testen zu lassen.

Der Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Andreas Gassen, sagte der „Rheinischen Post“ am Mittwoch: „Wir haben gemeinsam mit den Krankenkassen die Grundlage dafür geschaffen, dass niedergelassene Ärzte diejenigen Patienten testen können, die mittels App über einen kritischen Kontakt zu Infizierten informiert wurden.“ Dieser Test werde von den Krankenkassen bezahlt, so Gassen.

Kann man zur Verwendung der App gezwungen werden?

Die Bundesregierung hat mehrfach betont, dass die Installation und Verwendung der App absolut freiwillig sind. Auch positive Anreize wie Steuererleichterungen oder andere Vergünstigungen hat die Koalition ausgeschlossen.

Die Grünen und Linken, Verbraucherschützer und Organisationen wie Amnesty International fordern aber, dass der Einsatz der App durch ein Gesetz geregelt wird. So müsse nicht nur die Installation der App freiwillig sein. Es dürfe auch keine Verpflichtung geben, ein Smartphone mit laufender App mit sich zu führen und bei Restaurantbesuchen, beim Einkaufen oder Veranstaltungen vorzuzeigen.

Müssen wirklich 40 Millionen User die App installieren, bevor sie ihre volle Wirkung entfalten kann?

Diese Zahl geht auf eine britische Studie zurück, wonach der volle Effekt erst dann erreicht wird, wenn sich 60 Prozent der Bevölkerung oder mehr beteiligen. Die Forscher aus Oxford sagen aber auch: „Selbst bei einem geringeren Anteil gehen wir davon aus, dass die Zahl der Infektionen und Todesfälle sinkt.“ Regierungssprecher Steffen Seibert sagte am Montag: „Das war eine vollkommen andere Zeit mit einem viel, viel höheren Reproduktionsfaktor.“ Die Berechnungen aus Oxford gingen auch davon aus, dass es keine anderen Mittel des Kampfes gegen die Pandemie gebe. Der Nutzen der App wird aber umso größer sein, je mehr Nutzer sie haben. „Deswegen hoffen wir, dass viele Menschen sich überzeugen lassen. Aber sie hat ihren Nutzen bereits weit unterhalb dieser Marke von 60 Prozent.“

Greifen Google und Apple bei der App sensible Daten ab?

Es gibt keinerlei Hinweise in diese Richtung. Dass die Programmschnittstellen (APIs) der beiden Konzerne im Gegensatz zur App selbst nicht quelloffen gemacht wurden, ist laut Chaos Computer Club als „ein Schönheitsfehler für Transparenz und Überprüfbarkeit“ zu bewerten.

Wie sicher kann die App gegen Fehlalarme sein?

Da die Bluetooth-Technik nicht für das Messen von Abständen entwickelt wurde, wird es sicher auch Fehlalarme geben. Es kann zum Beispiel sein, dass sich Infizierte hinter einer Glaswand aufhielten und einen Alarm auslösen, obwohl durch den Kontakt keine Infektionsgefahr ausging. Die Entwickler verweisen darauf, dass die App nur einen begrenzten Beitrag zur Normalisierung liefern kann. Wer sich und andere vor einer Infektion schützen will, sollte auch mit der App Abstand wahren und eine Maske tragen.

Wie teuer ist die App?

Für die Anwender ist die Corona-Warn-App des Robert Koch-Instituts (RKI) kostenlos. Auch der Datenverkehr, den die App beim Abgleich der Infektionslisten auslöst, wird von den Providern nicht berechnet.

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