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Aktualisiert vor 19 Minuten.

Unfall In Richtung Hamburg
Zwei Autos und ein Laster blockieren A1 bei Stuhr

Singen /Karlsruhe Nach dem Attentat vom 7. April 1977 in Karlsruhe, bei dem der Generalbundesanwalt Siegfried Buback, sein Fahrer Wolfgang Göbel sowie der Leiter Fahrbereitschaft Georg Wurster sterben, geraten Günter Sonnenberg (22), Christian Klar (24) und Knut Folkerts (25) ins Visier der Ermittler. Aber es gibt auch Hinweise auf eine Frau, die angeblich auf dem Soziussitz des Motorrads gesessen haben soll, von dem aus die tödlichen Schüsse auf Buback fielen. Sonnenberg hat offenbar das Motorrad gemietet.

Am 3. Mai 1977 macht eine Rentnerin die Polizei in Singen an der schweizerischen Grenze auf zwei Personen aufmerksam, die gerade in einem Café frühstücken. Sie habe die gesuchten Terroristen Knut Folkerts und Juliane Plambeck erkannt. Zwei Polizisten kontrollieren die beiden im Café. Sie sind von einem Fehlalarm überzeugt.

Allerdings haben die beiden Cafébesucher keine Ausweise dabei, die lägen im Auto. Die beiden Polizisten begleiten die beiden zum Auto, das sie zunächst nicht wiederfinden. Misstrauisch werden die Polizisten, als das endlich gefundene Fahrzeug ein Konstanzer Kennzeichen hat, nicht wie von den beiden angegeben ein Stuttgarter. Der Mann und seine Begleiterin feuern auf die Polizisten. Einer wird durch einen Schuss an der Hand verletzt. Er sucht Schutz hinter einem Auto, doch der Mann folgt ihm und feuert sechs Schüsse aus einem Revolver auf den Körper des Polizisten.

Gewehrkugel trifft

Auch der zweite Polizist wird getroffen. Die Frau feuert weiter auf ihn. Die beiden Schützen ergreifen die Flucht, sie halten einen Autofahrer an und reißen ihn aus dem Fahrzeug. Auf der Flucht werden sie von Polizeiwagen verfolgt. An einer Ampel schießt die Frau mit einem Revolver auf die Beamten. Das Paar setzt die Flucht fort. Auf einem Feldweg wird das Fluchtfahrzeug von Polizeikugeln getroffen. Die beiden Flüchtigen steigen aus, sie haben automatische Waffen dabei. Doch flüchten die beiden ohne die Maschinenpistole. Auf einer Wiese wird der Flüchtende von einer Polizeikugel hinter dem Ohr getroffen. Die Frau schießt aus zwei Revolvern auf die Beamten, dann wird sie von einer Kugel am linken Bein getroffen – eine Gewehrkugel, die ein Verkehrspolizist aus einer Waffe aus dem Fluchtwagen abgefeuert hat. Zunächst wissen die Beamten noch nicht, wen sie da festgenommen haben. Die Nachrichtenagenturen berichten über die Festnahme von Knut Folkerts und Juliane Plambeck. Ein Fingerabdruckvergleich bringt Klarheit: Die Festgenommene ist Verena Becker. Bei ihrem verletzten Begleiter handelt es sich um Günter Sonnenberg.

Die Festnahme ist einer der wenigen Erfolge gegen die RAF im Jahr 1977. Die Ermittler finden gefälschte Personalausweise und Führerscheine, darunter einen, der ein Foto von Knut Folkerts zeigt. Die RAF-Mitglieder haben nach dem Buback-Attentat die Schweiz als Rückzugsgebiet genutzt. Sie hatten dort ein Auto gemietet und Geld über Postanweisungen erhalten. Die größte Sensation aber ist das Gewehr, mit dem Verena Beckers Flucht beendet wurde. Es handelt sich um die Waffe, mit der Generalbundesanwalt Siegfried Buback ermordet wurde. Um es unauffällig zu transportieren, waren Schaft und Lauf gekürzt worden. Weitere Waffen und Werkzeuge werden bei den beiden Festgenommenen sichergestellt.

Was die Fahnder überrascht: Die beiden waren mit dem Zug von Essen nach Singen gefahren, offenbar um über die grüne Grenze in die Schweiz zu gelangen. Bei der Festnahme wurde auch ein Schraubenzieher mit Suzuki-Aufschrift gefunden, der zu dem Bordwerkzeug der von Sonnenberg gemieteten Suzuki gehörte. Beide gelten als dringend tatverdächtig, an Bubacks Ermordung beteiligt gewesen zu sein.

Sechs Mordversuche

Die Bundesanwaltschaft stellt das Verfahren gegen Becker und Sonnenberg wegen der Beteiligung an dem Buback-Mord ein. Das andere Strafverfahren wegen der versuchten Polizistenmorde in Singen scheint erfolgversprechender. Ein Umstand, den Bubacks Sohn Michael nicht versteht. „Es ist damals nicht ordentlich ermittelt worden. Man hat das Verfahren stattdessen 1980 gegen Becker eingestellt“, bedauert er.

Becker wird am 28. Dezember 1977 wegen sechsfachen Mordversuchs zu lebenslanger Haft verurteilt. Sonnenberg wegen seiner schweren Verletzungen in einem abgetrennten Verfahren am 26. April 1978 ebenfalls zu lebenslanger Haft.
Nächste Folge: RAF-Ikone Ulrike Meinhof

Hans Begerow Leitung / Politik/Region
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