Frankfurt /Main Jammern ist tabu: Seit Montag trifft sich die Autobranche auf der Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) in Frankfurt am Main – und es wird wieder geprotzt. Zwar kann Europas Absatzkrise nicht ausgeblendet werden, im Glanz der Scheinwerfer leuchten an den Messeständen bis zum 22. September aber die Hoffnungsträger von morgen: PS-starke Sportwagen von Porsche oder Ferrari, der Opel-Konzeptwagen Monza als Sinnbild des ersehnten künftigen Erfolgs, und vor allem viele Hybride und Elektroautos.

BMW betritt mit dem Kleinwagen i3 mit Carbon-Karosserie Neuland, Branchenriese VW springt auch auf den Zug auf und bringt den kleinen Up und den Golf mit Elektroantrieb. „Elektromobilität ist keine Vision mehr, die E-Autos kommen jetzt auf die Straße“, sagt Matthias Wissmann, Präsident des Automobilverbands VDA.

Ob der Batterie die Zukunft gehört, sich die Brennstoffzelle durchsetzt, oder ob doch Hybride die Nase vorne haben werden, weiß noch niemand. Der Markt ist hart umkämpft, alle Hersteller wollen sich in Position bringen. „Die große Begeisterung sehe ich bei den deutschen Autobauern nicht, aber die Angst, bei neuen Technologien den Anschluss zu verlieren“, sagt Stefan Bratzel, Direktor des Center of Automotive Management.

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„Mickrige Gewinne“

Um den Imageverlust zu vermeiden, nehmen die Autobauer viel Geld in die Hand. Zumal die EU immer striktere CO2-Grenzen vorschreibt. Das zwingt die mit Oberklassewagen erfolgreichen Deutschen, Alternativen zu schmutzigen Kraftstoffen zu finden. „Der hohe Preis für die Forschung und Entwicklung ist ein Problem für die Autoindustrie in den kommenden Jahren“, sagt Analyst Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler. Er traut den Autobauern in naher Zukunft nur mickrige Gewinne zu – wenn überhaupt.

Mut und Investitionen sind gefragt, auch wenn die Lage in Europa noch schwierig ist. „2013 wird das schlechteste Autojahr der letzten 30 Jahre in West-Europa, in Deutschland werden so wenige Neuwagen verkauft wie seit 1989 nicht mehr“, prognostiziert Ferdinand Dudenhöffer vom Center Automotive Research.

Immerhin brachten die vergangenen Monate den Optimismus zurück: Der Absatz in der EU lag im Juli knapp fünf Prozent über Vorjahr, das nährt die Hoffnung auf eine Trendwende. Auch in Deutschland erwartet Wissmann ein Ende der Talfahrt: „Die bereits im Juli erkennbare Stabilisierung des Pkw-Inlandsmarktes hat sich offenbar im August fortgesetzt.“

Experten der Beratungsgesellschaft PwC sehen nach fünf Jahren zumindest die Talsohle in Europa erreicht: „2012 wurden 3,5 Millionen Fahrzeuge weniger zugelassen als 2007. 2013 markiert wahrscheinlich den Tiefpunkt.“

Da kommt die IAA gerade recht, um für frischen Schwung zu sorgen. Zwar habe es zuletzt selbst im Europageschäft der Sorgenkinder Ford und Opel Hoffnungsschimmer gegeben. Dennoch dämpft Pieper die Erwartungen: Anstelle einer kräftigen Erholung sieht er lediglich eine Stabilisierung, mehr als zwei bis drei Prozent Plus in Europa seien nicht drin.

„Völlig neue Qualität“

Wirtschaftlich haben die meisten deutschen Hersteller die Autokrise allerdings locker gemeistert, im Gegensatz zu Peugeot oder Fiat. VW, Daimler und BMW fuhren in den ersten sechs Monaten Milliardengewinne ein. Dabei haben die guten Geschäfte in Übersee die Schwäche in der Heimat überdeckt. Wer das schwache Europageschäft nicht in den Boom-Regionen China und USA ausgleichen kann, hat ein Problem.

Doch wie lange geht das gut? Nach einer Studie von Ernst & Young (EY) verkauften die deutschen Autobauer im zweiten Quartal zwar sechs Prozent mehr Fahrzeuge als vor einem Jahr, der Umsatz stieg aber nur um fünf Prozent – und der Gewinn sank sogar um fünf Prozent. Die Konzerne leiden unter der Absatzschwäche in der Heimat, dem massiven Preisdruck und dem starken Euro, begründet EY die Entwicklung.

Auch wenn Google mit seinem bereits erprobten Roboterwagen nicht auf der IAA vertreten ist: Das Thema Elektronik ist einer der Schwerpunkte auf der IAA. Wissmann erwartet, dass der Traum vom vollautomatischen Fahren in zehn bis 15 Jahren Realität ist: Das Auto steuert – der Fahrer liest, checkt E-Mails oder schläft.

„Zusammen mit der E-Mobilität verändert das vernetzte Auto die mehr als hundertjährige Tradition des Autos“, sagt Auto-Experte Bratzel und spricht von einer „völlig neuen Qualität des Fahrens“: „Das wird die Autoindustrie in ihren Grundfesten erschüttern.“ Angesichts neuer Wettbewerber wie Google sei es völlig unklar, welche Hersteller diese Revolution überleben.

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