Karlsruhe Der Mord an Generalbundesanwalt Siegfried Buback ist ein von langer Hand geplantes Vorhaben. Bereits 1976 wird unter den verbliebenen Mitgliedern der linksterroristischen Rote Armee Fraktion diskutiert, wie die inhaftierten RAF-Mitglieder freigepresst werden können. Antreiber ist der untergetauchte Rechtsanwalt Siegfried Haag. Ein Kassiber aus Stammheim lautet: „Der General muss weg.“ Damit ist der oberste Terroristenjäger Siegfried Buback gemeint.

Am 7. April 1977 ist Buback (57) in Begleitung seines Fahrers Wolfgang Göbel und des Leiters der Fahrbereitschaft Georg Wurster unterwegs zur Bundesanwaltschaft in Karlsruhe. Unterwegs lauern ihm zwei Motorradfahrer auf, der Sozius gibt aus einem Selbstladegewehr 15 Schüsse auf das Auto des Generalbundesanwalts Siegfried Buback ab. Buback und sein Fahrer Wolfgang Göbel (30) sterben am Anschlagsort, der Leiter der Fahrbereitschaft Georg Wurster (33) stirbt eine Woche darauf im Krankenhaus.

Das Attentat am Gründonnerstag 1977 auf einen ihrer höchsten Repräsentanten und den höchsten Terroristenjäger trifft die Republik ins Mark. Dabei stellt sich später heraus, dass der Wagen des Generalbundesanwalts keine besondere Panzerung aufwies. Eine Woche nach dem Attentat trifft das Bekennerschreiben der RAF ein, an Zynismus nicht zu überbieten. Für Akteure wie Buback „findet die geschichte immer einen weg“ heißt es in der kruden Weltsicht der Terroristen, die ihren selbsterklärten Krieg „in den metropolen im rahmen des internationalen befreiungskampfes“ (und bei konsequenter Kleinschreibung) fortsetzen wollen. Buback sei verantwortlich für den Tod des Terroristen Holger Meins (1974), der sich in der Haft zu Tode gehungert hatte.

Schnell konzentriert sich die Suche nach den Tätern auf Günter Sonnenberg, Knut Folkerts und Christian Klar. Der Mord an Buback beschäftigt die Ermittler und Gerichte noch 40 Jahre. Nach wie vor weiß man nicht, wer die Todesschüsse abgab, wer auf dem Motorrad saß. Fest steht, dass drei Terroristen wegen des Mordes an Buback verurteilt wurden. In einem ersten Prozess wird Knut Folkerts zu lebenslanger Haft verurteilt, er wurde im September 1977 in Utrecht verhaftet. Dabei erschoss er einen Polizisten. Nachdem er in den Niederlanden zu 20 Jahren Haft verurteilt worden war, wurde er an die Bundesrepublik ausgeliefert. 1980 verurteilte ihn das Oberlandesgericht Stuttgart wegen des Buback-Attentats und eines Überfalls auf ein Waffengeschäft in Frankfurt zu zweimal lebenslanger Haft. 1995 wurde er entlassen. In einem weiteren Prozess wurden Christian Klar und Brigitte Mohnhaupt wegen des Buback-Attentats zu lebenslanger Haft verurteilt (Mohnhaupt wurde vom Richter als „bösartigste Frau Deutschlands“ bezeichnet). Klar wurde 2008 nach langer öffentlicher Debatte über eine vorzeitige Strafaussetzung aus der Haft entlassen, in der er 26 Jahre verbracht hatte. Mohnhaupt wurde nach Verbüßung der Mindeststrafe von 24 Jahren 2007 auf Bewährung entlassen. Für den Sohn des ermordeten Generalbundesanwalts, Michael Buback, steht fest, dass Folkerts und Klar nicht am Tatort waren. Das Verfahren gegen Sonnenberg, der das Motorrad gemietet hatte, wurde eingestellt.

Das Verfahren gegen Verena Becker wurde auch eingestellt, und erst 2008 wieder aufgegriffen. Bubacks Sohn Michael brachte 2007 den Namen Becker ins Spiel und verweist auf die zierliche Person, die auf dem Motorrad gesehen worden war. Becker wurde 2012 in einem Strafprozess wegen Beihilfe zum Mord, nicht wegen eigener Täterschaft, zu vier Jahren Haft verurteilt. Nächste Folge: Ende des Stammheim-Prozesses

Hans Begerow Leitung / Politik/Region
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