Ankara /Damaskus Sie geloben, „Schweine“ und „Ungläubige“ zu töten, präsentieren ihre kurdischen Gefangenen vor laufenden Kameras, und in einem besonders grausamen Video schießen sie auf einen Mann, der gefesselt am Boden liegt. Sie sind syrische Kämpfer, Teil der sogenannten Syrischen Nationalarmee, – und die Stoßtruppen in der derzeitigen türkischen Offensive gegen die kurdischen Kräfte in Nordsyrien.

Macht und Geld

Ausgebildet und finanziert von der Türkei stellen sie sich als Erben des Aufstandes gegen Syriens Präsidenten Baschar al-Assad dar. Aber ihnen gehören auch einige frühere Mitglieder von Rebellengruppen an, viele sind von ihnen arabische und turkmenische Kämpfer aus dem Norden und Osten Syriens, die es auf die Kurden abgesehen und eine Reputation für Gewalt und Plünderungen haben.

„Das Hauptproblem mit diesen Kräften ist deren Kriminalität“, sagt Elizabeth Tsurkov vom Foreign Policy Research Institute in den USA. Sie hat mit Dutzenden syrischen Kämpfern gesprochen und ist zur Erkenntnis gelangt, dass sie eher von Machtstreben und Geld motiviert sind als von einer speziellen Ideologie.

Seit dem Jahr 2016, als die Türkei sie zu unterstützen begann, haben sich die syrischen Kämpfer kein Mal mit Assads Truppen geschlagen. Stattdessen haben sie zumeist an grenzüberschreitenden Offensiven der Türkei gegen die Terrorgruppe Islamischer Staat (IS) und die Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) teilgenommen. Das ist jene kurdisch geprägte Streitmacht, die den USA im Kampf gegen den IS zur Seite stand und die US-Präsident Donald Trump jetzt einer neuen türkischen Offensive aussetzte, indem er den Abzug von US-Soldaten aus Nordsyrien anordnete.

Die Türkei betrachtet die kurdischen Volksschutzeinheiten, kurz YPG, als Terrororganisation, weil sie enge Beziehungen zur verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK hat. Die türkische Führung hatte schon monatelang damit gedroht, ins kurdisch kontrollierte nordöstliche Syrien vorzudringen, um an der Grenze eine „Sicherheitszone“ zu schaffen. Am Mittwoch vergangener Woche begann dann die Offensive, nachdem Trump den Weg dafür frei gemacht hatte.

Bomben und Videos

Den syrischen Milizen ist es – unterstützt durch türkische Luftschläge und Artillerie – bereits gelungen, tief in das Grenzgebiet vorzustoßen. Sie stellen in der Offensive bislang den Großteil der Bodentruppen. Ihren Einsatz begleiten sie mit zahlreichen Videos, in denen sie ihren Hass auf die Kurden kundtun.

Am vergangenen Wochenende gewannen sie die Kontrolle über eine größere Landstraße, die durch das nördliche Syrien verläuft. Dort töteten sie der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte zufolge sechs Zivilisten, darunter Havrin Khalaf, Frauenrechtlerin und Chefin einer kurdischen Partei.

In einem im Internet verbreiteten Video sind Kämpfer zu sehen, die auf ein von Kugeln durchsiebtes gepanzertes Fahrzeug zustürmen und erklären, dass sie ein „Schwein“ gefangen hätten. Im Fahrzeug ist die schwache Stimme einer Frau zu hören, die sagt, dass sie eine politische Partei leite. Das Video deutet darauf hin, dass Khalaf lebend gefangen wurde und später starb oder getötet wurde.

In anderen Videos benutzen syrische Kämpfer Slogans des Islamischen Staates, und tatsächlich hat das Rojava-Informationszentrum – eine Gruppe von Aktivisten in kurdisch kontrollierten Gebieten – mindestens 40 frühere IS-Militante unter den türkisch gestützten Kräften ausgemacht. Tsurkov zufolge sind diese Männer Extremisten „durch und durch“. Und das lässt nichts Gutes für das nordöstliche Syrien mit seinem Gemisch von kurdischen, christlichen und anderen Minderheitengemeinschaften ahnen.

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