Sandkrug Wenige Schritte von der Waldbühne in Richtung Kreuzkirche sind sie schon auf den ersten Blick zu sehen: Nistkästen hängen, gefühlt, an jedem dritten Baum. Mal haben sie zwei, mal ein Eingangsloch, manchmal auch nur einen schmalen Schlitz. „Die sind für Fledermäuse“, sagt Helmuth Koopmann auf Nachfrage.

Gemeinsam mit den beiden Diplom-Biologinnen Annette Pfeiffer und Barbara Printzen, die wie Koopmann Nabu-Mitglieder sind, steht der Sandkruger im Waldpark, um den nächsten Schritt eines zum Jahresanfang gestarteten Projektes vorzustellen. Am 12. Januar hatte der Nabu Hatten etwa 300 Nistkästen im Waldpark und bei der Grundschule Sandkrug am Sommerweg an Bäumen aufgehängt. Zwischen Auvers-le-Hamon-Platz und Kreuzkirche sind es allein 166 Stück. Jetzt soll geprüft werden, wie die Nistkästen von der Vogelwelt angenommen werden.

Für das Nabu-Projekt gab es beim Start viel Unterstützung, aber zumindest auch eine kritische Stimme. „Mittlerweile sollte jeder wissen, dass die Insektenmasse um 75 Prozent abgenommen hat und somit auch die Anzahl der Vögel stark zurückgegangen ist. Die Vögel brauchen für ihre Aufzucht der Jungen tierische Nahrung, also Insekten. Da frage ich mich, wo sollen die Vögel sie auf so engem Raum herbekommen?“, meldete der Tweelbäker Bezirksvorsteher Gerold Deye Bedenken in der NWZ an.

Eine direkte Reaktion auf diese Kritik sei die jetzt gestartete Zählung aber nicht, betont Koopmann. „Das hatten wir sowieso schon geplant.“ Die beiden Biologinnen werden in diesem Jahr sechs Tag- und drei Nachtkartierungen vornehmen. Dabei halten sie sich streng an die „Methodenstandards zur Erfassung der Brutvögel Deutschlands“, wie sie der Leiter der Nationalpark- und Biosphärenreservatsverwaltung Niedersächsisches Wattenmeer und weitere Autoren im Auftrag der Landesarbeitsgemeinschaft der Vogelschutzwarten und des Dachverbandes Deutscher Avifaunisten herausgegeben haben.

Blick in eine der Kartierungskarten der Diplom-Biologinnen. Sie zeigt das Beobachtungsergebnis eines Tages. BILD: privat
Blick in eine der Kartierungskarten der Diplom-Biologinnen. Sie zeigt das Beobachtungsergebnis eines Tages. BILD: privat

Von Kohlmeise bis Star

Angebracht wurden vom Nabu im Januar Nistkästen u.a. für Vogelarten wie Kohlmeise, Blau- und Tannenmeise, Trauerschnäpper, Zaunkönig, Kleiber, Rotschwanz, Bachstelze, Grauschnäpper, Sperling und den Nabu-Vogel des Jahres 2018, den Star. Außerdem Spezialkästen als Tagesquartiere für mehrere Fledermausarten, zwei großvolumige Eichhörnchen-Kobelkästen und zwei Hornissenkästen.

„Sehr viel nach Gehör“, so beschreibt Annette Pfeiffer die Arbeitsweise. Revierrufe der Vögel dienen beim Kartieren als wichtige erste Hinweise. Später im Mai kommen die zu beobachtenden Fütterungsflüge zu den Nistkästen hinzu, noch später dürften dann Rufe des Vogelnachwuchses Anhaltspunkte geben. Im Juni endet die Kartierung – aber nicht für immer. Zwei, drei Jahre soll das Projekt schon dauern. „Wir wollen untersuchen, ob die Zahl der genutzten Nistkästen sich über die Zeit weiterentwickelt“, sagt Koopmann. Konkrete Hinweise darauf, welche Kästen von welcher Art genutzt wurden, gebe dann auch die Reinigung der Holzbetongefäße im Herbst.

Egal wie das erste Untersuchungsergebnis ausfällt, in einem Punkt stimmt Annette Pfeiffer mit Skeptiker Gerold Deye überein. „Der limitierende Faktor wird das Nahrungsangebot sein“, da ist sich die Nabu-Biologin sicher.

Werner Fademrecht Hatten / Redaktion Wardenburg
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