Ganderkesee – Der Beruf des Steinmetzes zählt zu den ältesten überhaupt. Bereits die alten Ägypter konnten mit Natursteinen umgehen und schufen Bauwerke wie zum Beispiel die Pyramiden. Einige tausend Jahre sind seitdem vergangen, aber am Arbeitsprinzip eines Steinmetz hat sich nichts verändert: Ein Stein wird durch Kantenbearbeitung in die gewünschte Form gebracht. Allerdings haben sich die Werkzeuge weiterentwickelt, und für gewisse Arbeitsvorgänge gibt es Maschinen. „Trotzdem muss jeder die Arbeit mit Hammer und Meißel immer noch beherrschen“, sagt Marcel Dietrich aus Ganderkesee, der sich schon mit 21 Jahren Steinmetz- und Steinbildhauermeister nennen durfte.

Sein Vater Herbert Dietrich machte sich 1988 als Steinmetz selbstständig und hat sich auf die Gestaltung von Grabstätten spezialisiert. Schon mit fünf Jahren stand der kleine Marcel mit Schürze in der Werkstatt und beobachtete seinen Vater bei der Arbeit. Später durfte er nach der Schule schon mitarbeiten. Nach seinem Realschulabschluss machte er im Betrieb von Andreas Soltmann in Delmenhorst seine Ausbildung zum Steinmetz und Steinbildhauer, mit der Fachrichtung Steinbildhauer. Zur Berufsschule ging es im Blockunterricht nach Königslutter.

„Ein Auszubildender in diesem Beruf sollte neben Fleiß und guter körperlicher Konstitution auch einen starken Willen und Ausdauer mitbringen. Die Erfolgserlebnisse am Stein kommen oft erst im letzten der drei Ausbildungsjahre. Ein falscher Schlag kann drei Wochen Arbeit zunichte machen“, weiß Marcel Dietrich aus eigener Erfahrung.

Ende des zweiten Lehrjahres verließ er für zwei Monate seinen Ausbildungsbetrieb und arbeitete zwei Monate in einem Steinmetzbetrieb in Schweden. Mit seinem Gesellenstück, einem in Carrara-Marmor geschlagenen Frauentorso, wurde Marcel Kammersieger und Zweitplatzierter im Land Niedersachsen. Nur denkbar knapp unterlag er hier der späteren Bundessiegerin.

Drei Wochen nach seiner Gesellenprüfung begann er in Königslutter mit der zweijährigen Meisterschule, die sonst erforderliche Gesellenzeit wurde ihm im Rahmen der Begabtenförderung erlassen. Den Meisterbrief in der Tasche, begann Marcel Dietrich noch im selben Jahr im bayerischen Wunsiedel (bei Bayreuth) mit einer einjährigen Ausbildung zum Restaurator. „Dieser Bereich hat mich schon immer interessiert, zum Beispiel wie man Denkmäler erhalten kann.“ Auf seinem Zeugnis dieser Restauratoren-Prüfung steht bei elf von zwölf Fächern ein „Sehr gut“, und die praktische Arbeit wurde mit 100 von 100 möglichen Punkten bewertet.

Nach dem Motto: „Von nichts kommt nichts“, hat Marcel Dietrich auch sehr viel für den bisherigen Erfolg getan. „Marcel hat alle Möglichkeiten, die er bekommen hat, genutzt. Oft hat er bis in die Nacht und an seinen freien Wochenenden in der Werkstatt gestanden“, betont Vater Herbert Dietrich. Dazu ist er unter anderem in Rumänien, Italien oder auch in den USA gewesen, um weitere berufliche Erfahrungen zu sammeln. Seit 2011 studiert Marcel an der Universität in Oldenburg Wirtschaftswissenschaften, um sich im betriebswirtschaftlichen Teil noch zu verbessern. In jeder freien Minute hilft er im elterlichen Betrieb, den er zum 30-jährigen Jubiläum in zwei Jahren übernehmen möchte.

Marcel Dietrich hat bis dahin noch viele Pläne. So möchte er zwischen Weihnachten und Neujahr 2016 seine erste eigene Ausstellung der Öffentlichkeit präsentieren. 2017 soll sein Studium einen erfolgreichen Abschluss finden und dann möchte er am Europäischen Steinfestival teilnehmen, wo sich an die 180 Steinmetze aus Europa und Übersee treffen. 2017 wird dieser Wettbewerb in Deutschland ausgetragen, und Marcel ist durchaus eine vordere Platzierung zuzutrauen. In jedem Fall möchte er sein Wissen weitergeben, und schon im August möchte er seinen ersten Auszubildenden einstellen. Allerdings weiß auch Marcel Dietrich, dass es um den Nachwuchs in diesem traditionellen Handwerksberuf nicht gerade üppig bestellt ist. Sieben Auszubildende zählte die Handwerkskammer Oldenburg in den letzten vier Jahren.

„Viele junge Menschen möchten sich in ihrem Beruf nicht schmutzig machen und vielen ist die Schönheit unseres Handwerks gar nicht bekannt“, so der stellvertretende Obermeister und Vorsitzende im Gesellenprüfungsausschuss der zuständigen Innung Oldenburg-Ostfriesland Jan Wandscher. „Wir sind ein gestaltender Beruf zwischen Tradition und Moderne. Hartes, kaltes Material gestalten und formen wir zu etwas Einzigartigem und Warmem. Uns Steinmetze hat es schon in der Steinzeit gegeben, und uns wird es auch in Zukunft geben. Das duale Ausbildungssystem in Deutschland ist in der EU einzigartig und ein passionierter Steinmetz/Steinbildhauer wird immer gefragt sein“, da ist sich Jan Wandscher ganz sicher.

Dirk Wieting

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