Oldenburg /Rastede Schlafen, erst einmal richtig ausschlafen: Deutschlands Handballerinnen waren nach der verpassten Olympia-Qualifikation bei der Weltmeisterschaft in Japan und dem zwölfstündigen Rückflug nur noch platt. Jetzt gilt es, den WM-Auftritt mit vier Siegen, einem Remis und vier Niederlagen zu verdauen und zu analysieren. Heike Horstmann, Handball-Legende des VfL Oldenburg und seit Frühjahr 2018 Co-Trainerin von Bundestrainer Henk Groener, wird diesen Prozess nun nicht mehr abschließend begleiten.

„Es gab unterschiedliche Auffassungen in der Zusammenarbeit. Das ist auch der Grund, warum ich nicht weitermache“, erklärte die 168-malige deutsche Ex-Nationalspielerin jetzt im Gespräch mit der NWZ. Mehr möchte Horstmann zu ihrem Ausscheiden eigentlich nicht sagen, nur so viel: „Für die weitere Entwicklung der jungen, deutschen Mannschaft ist es wichtig, von einem optimal funktionierenden Trainerstab geführt zu werden.“

Groener setzt auf Klijn

Der Deutsche Handballbund (DHB) hatte den Vertrag mit dem 59-jährigen Niederländer Groener unmittelbar vor der WM vorzeitig bis zum 31. Dezember 2021 verlängert. Außer Horstmann (48) gehört auch die frühere niederländische Nationaltorfrau Debbie Klijn (43) zum Trainerstab der deutschen Frauen-Nationalmannschaft. Schon aus dem Umfeld der DHB-Auswahl war immer wieder einmal zu vernehmen, dass Groener dabei in erster Linie auf die Zusammenarbeit mit seiner Landsfrau setzte.

Gleichwohl: Bei der Beurteilung der WM-Leistung waren und sind sich Groener und Horstmann einig, auch wenn die Vorstellungen über die interne Aufgabenstellung auseinanderdrifteten. „Obwohl wir das große Ziel, die Qualifikation für die Olympischen Spiele 2020, verpasst haben, hat das Team eine gute WM gespielt. Schade, dass der letzte Eindruck mit der blamablen Vorstellung gegen Schweden im Spiel um Platz sieben nun erst einmal haften bleibt“, sagen beide unisono.

Riesige Enttäuschung

Als Knackpunkt bezeichnet Horstmann dabei die knappe 28:29-Niederlage in der Hauptrunde gegen Serbien. „Das musste nicht passieren. Das war absolut unnötig. Schon ein Unentschieden in dieser Partie hätte gereicht, um nicht so unter Druck zu geraten – und mit diesem Druck ist unsere Mannschaft dann nicht fertig geworden“, hat Horstmann bei den zwei folgenden Auftritten der DHB-Auswahl neben dem vorhandenen Kraft- auch ein Kopfproblem gesehen. „Die Chance auf den möglichen Halbfinaleinzug war in den Köpfen und nicht raus zu kriegen“, sagt sie.

Nach dem Serbien-Spiel folgte die 29:32-Niederlage gegen Norwegen und eben die 24:35-Pleite im Platzierungsspiel gegen Schweden. Mit einem Erfolg in diesem Spiel und somit WM-Platz sieben hätte sich die deutsche Mannschaft noch für ein Olympia-Ausscheidungsturnier qualifiziert. So aber steht der DHB mit leeren Händen da. „Das ist natürlich jetzt bitter. Die Enttäuschung war bei uns allen riesengroß“, berichtet Horstmann vom Stimmungstief im deutschen Mannschaftshotel in Kumamoto.

Acht WM-Debütantinnen standen im deutschen Kader – darunter auch Rechtsaußen Jenny Behrend vom VfL Oldenburg. Deren Entwicklung sieht der Bundestrainer grundsätzlich positiv: „Das war über weite Strecken ok, aber man hat gesehen, dass diese Belastung für die eine oder andere nicht so einfach war. Das Niveau bei einer WM ist eben schon ein anderes als sie es aus der Liga kennen. Aber generell haben sich die WM-Debütantinnen gut ins Mannschaftsgefüge integriert. Es ist eine unerfahrene Mannschaft, aber wir haben das als Mannschaft gut hinbekommen – nur leider unser Ziel verfehlt.“

Wenige Top-Spielerinnen

Anders als viele deutsche Gegner, verfügte das DHB-Team in Japan nur über wenige Spielerinnen, die solche Drucksituationen aus engen Duellen in der Champions League gewohnt sind. Dennoch darf man der deutschen Torfrau Dinah Eckerle (SG Bietigheim), Kreisläuferin Julia Behnke (GK Rostow am Don) und Rückraumspielerin Emily Bölk (Thüringer HC) international „einen großen Schritt nach vorn“ (Horstmann) bescheinigen.

An deren weiterer Entwicklung wird die Oldenburgerin Horstmann nun nicht mehr teilhaben. „Ich habe nach einem konstruktiven Gespräch mit dem Verband meine Co-Trainer-Tätigkeit wohlbedacht mit sofortiger Wirkung niedergelegt“, unterstreicht Horstmann ihren Entschluss, die Zusammenarbeit zu beenden.

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Otto-Ulrich Bals Autor
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