Oldenburg Das Urteil vor dem Saisonstart im September war knallhart. Die ehemalige Weltklassetorfrau Clara Woltering (37) bewertete die 16 Clubs der Handball-Bundesliga der Frauen für das Fachblatt “Handballwoche“ und vergab dabei je nach Einstufung bis zu fünf Bälle. Also: 5 Bälle = Titelaspirant oder 1 Ball = Absteiger. Für den VfL Oldenburg gab es 2 Bälle = Kellerkind. Nach zehn von 30 Spieltagen sieht man nun klarer, wie die Analyse der Sportredaktion während der EM-Pause zeigt.

Wie fällt die bisherige Bilanz aus?

Die VfL-Frauen sind mit einem Spiel im Rückstand. Die Partie bei Union Halle-Neustadt fiel aufgrund von positiven Corona-Tests beim Gegners aus. Nach vier zum Teil unnötigen Pflichtspiel-Niederlagen in Folge verabschiedete sich der VfL Ende November mit einem wichtigen Heimsieg (33:21 gegen Ketsch) in die EM-Pause. Mit der sich damit im Abstiegskampf verschafften Luft lässt sich beim viermaligen Pokalsieger im 37. Erstligajahr gut leben. Vergessen ist das Pokal-Aus in Buchholz, auch ob der sportlichen Perspektive des Tabellenzwölften (8:10 Punkte).

Was heißt das für den Abstiegskampf?

Der neue Geschäftsführer der VfL-Bundesliga-GmbH rechnet vor: „Bis auf Bietigheim haben wir gegen alle Mannschaften zwischen Platz 1 und 8 schon gespielt. Das Schwierigste haben wir hinter uns“, sagt Andreas Lampe und verweist darauf, dass die VfL-Frauen bei den Mitkonkurrenten um den Klassenerhalt in Bad Wildungen und Buchholz jeweils gewonnen haben. Auch müsste im weiteren Verlauf der Saison das Gros der vermeintlichen Abstiegskandidaten in der kleinen EWE-Arena in Oldenburg antreten.

Wie schätzt der Trainer die Situation ein?

„Ich denke auch, dass wir uns eine gute Ausgangslage geschaffen haben. Mit acht Punkten aus neun Spielen rangieren wir vier Zähler über dem Strich. Jetzt können wir alle nur hoffen, dass wir die Saison unbeschadet zu Ende spielen können“, schwingt in den Worten von Coach Bötel die anhaltende Sorge um die Folgen der Pandemie mit. „Es hilft uns allen zu wissen, dass der Impfstoff bald kommt und es hoffentlich halbwegs normal weitergehen kann“, bewertet er die Lage.

Wie sieht die wirtschaftliche Lage aus?

Aufgrund der Geisterspiele fehlt dem Bundesliga-Urgestein pro Heimspiel eine hohe vierstellige Summe. Nach Aussage von Lampe kompensieren die Sponsoren aktuell noch diese Einnahmeverluste, die laufenden Kosten seien gedeckt. Auch geht er davon aus, dass sich an dieser Situation vor März 2021 nichts ändern wird. „Aktuell leben wir alle mit der Hoffnung, danach wieder vor Zuschauern und Sponsoren spielen zu dürfen“, sagt Lampe, der aber auch einräumt: „Wenn das dann nicht der Fall ist, wird es finanziell brutal schwer für uns.“ Wie andere Clubs auch, so hat der VfL laut Lampe nationale Corona-Hilfen beantragt.

Ist eine Kaderplanung überhaupt möglich?

„Ich kann keine Verträge verlängern oder abschließen, wenn ich kein Budget habe“, sagt Lampe. Umso so erstaunlicher ist es, dass der Club gerade erst die Kontrakte der Leistungsträgerinnen Julia Renner (Torfrau bis 2022) und Merle Carstensen (Spielmacherin bis 2023) verlängerte. Damit sendete die Clubführung ein starkes Signal an die Mannschaft. Gleichwohl gibt es noch viel zu tun, laufen beim VfL doch fünf von 15 Verträgen aus. Lampe gibt sich optimistisch: „Wir sind derzeit in vielen Gesprächen. Was wir tun können, machen wir auch.“ Fest stehe jedenfalls, dass er in den kommenden Jahren den Fokus auf personelle Konstanz legen möchte. Lampe: „Wir wollen diesen Kader so lange zusammenhalten wie es geht und in den kommenden Jahren etwas entwickeln.“

Wie geht es nach der Pause weiter?

Nach einer einwöchigen Regenerationsphase Anfang Dezember arbeiten Trainer und Mannschaft auf den Re-Start hin. Am 27. Dezember gastieren die VfL-Frauen beim Tabellenführer SG Bietigheim, bevor am 30. Dezember (19.30 Uhr, kleine EWE-Arena) das wichtige Heimspiel gegen den Tabellenvorletzten FSV Mainz 05 auf dem Spielplan steht.

Ob dann allerdings die beiden Dauerverletzten Lina Genz (Kreuzband) und Carina Aselmeyer (Fuß-OP) schon wieder zum Kader stoßen, darf bezweifelt werden. „Vor diesem Hintergrund bin ich froh, dass wir aktuell keine weitere Verletzung zu beklagen haben“, sagt Trainer Bötel. Zur Erinnerung: Auf dem offiziellen Spielprotokoll fehlten zuletzt gegen Ketsch die Namen von Jane Martens und Lisa-Marie Fragge aufgrund eines positiven Corona-Tests. Die brisante Situation ist überstanden, beide sind wieder voll im Training.

Otto-Ulrich Bals Autor
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