Oldenburg Der bange Blick seiner Frauen auf die Anzeigetafel war Niels Bötel nicht verborgen geblieben. Gerade noch 80 Sekunden waren im Nordderby zwischen Oldenburg und dem Buxtehuder SV in der kleinen EWE-Arena zu spielen, als der VfL-Trainer beim Stande von 31:27 das einzig Richtige machte. Bötel nahm eine Auszeit – und verbot seinen Handballerinnen den Blick unters Hallendach, während der Gegner Tor um Tor aufzuholen drohte. Die Ansage hatte Erfolg: Mit 31:29 (13:14) brachten die – jetzt wieder voll konzentrierten – VfLerinnen den Sieg nach Hause.

„Das war ein typisches Derby. Beide Mannschaften haben sich viele Fehler geleistet. Mit dem Erfolg haben wir unser Ziel erreicht und sind nun mit zwei Siegen in die neue Saison gestartet“, freute sich Bötel mehr über das Resultat als über die Spielweise. Sein Trainerkollege Dirk Leun konnte und wollte seine Enttäuschung nicht verbergen. „Als es darauf ankam, fehlte uns die Leidenschaft, die man benötigt, wenn man ein Derby gewinnen will. So gewinnen wir auswärts kein Spiel in der Bundesliga“, grollte der BSV-Chefcoach.

Beide Teams konnten vor 1030 Zuschauern nicht in Bestbesetzung antreten. Während bei den Gastgeberinnen Jane Martens nach überstandener Schulter-OP noch pausieren muss, mussten die Gäste auf Spielmacherin Paula Prior, Torfrau Julia Gronemann und Rückraumspielerin Friederike Gubernatis (alle verletzt) auskommen. Die Ausfälle hielten beide Teams aber keineswegs davon ab, sich von Beginn an ein intensives Nordderby zu liefern. Es ging zur Sache.

Das bekam in der Anfangsphase besonders Oldenburgs Torjägerin Angie Geschke zu spüren. Die Nationalspielerin wurde zweimal in die Bodenlage geschickt. „Es war viel Nervosität und Kampf im Spiel. Es war letztendlich ein Spiel auf Augenhöhe. Umso mehr freue ich mich über unsere gelungene Heimpremiere“, meinte die beste VfL-Torschützin (8 Tore).

Überhaupt war die temporeiche Partie weniger von spielerischen Raffinessen als von kämpferischen Aspekten geprägt. Zahlreiche Fehlpässe und Fehlwürfe auf beiden Seiten brachten viel Hektik ins Spiel. Wirklich absetzten konnte sich kein Team. Mit 12:9 führte Buxtehude nach 23 Minuten. Doch Jenny Behrend (2) und Kim Birke sorgten postwendend für den 12:12-Gleichstand. Pech für den VfL: Zu diesem Zeitpunkt hatten die Oldenburgerinnen bereits zwei Siebenmeter vergeben.

Ergebnistechnisch auf Augenhöhe ging es zunächst auch im zweiten Durchgang weiter (17:17/35. Minute). Cara Hartstock und Behrend erzwangen kurze Zeit später erstmals einen Zwei-Tore-Vorsprung für Oldenburg. Das waren zwei Treffer mit Signalwirkung. Jetzt wurde Handball gespielt. Und die VfL-Frauen wollten mehr, schraubten das Resultat auf 24:20 (42.). „Nun stand auch unsere Deckung besser. Jede hat sich für jede ins Zeug gelegt“, schilderte Hartstock später die vielleicht vorentscheidende Phase.

Die Gäste brachten sich zudem mit unnötigen Ballverlusten um den Lohn. Die VfL-Frauen ließen sich nicht zweimal bitten. Oldenburgs Leidenschaft war geweckt. Der VfL-Express nahm Fahrt auf. Mit einem Doppelschlag zehn Minuten vor Spielschluss zum 27:22 verschaffte Kapitänin Birke ihrer Mannschaft erstmals richtig Luft.

Dennoch: 20 Sekunden vor dem Ende musste Torfrau Julia Renner ihr ganzes Können aufbieten, um mit einer Glanzparade gegen die allein auf sie zulaufende Ex-Oldenburgerin Maike Schirmer den Derbysieg endgültig zu sichern. Und spätestens jetzt war beim VfL der Blick auf die Anzeigetafel auch wieder erlaubt. „Schön sieht das aus“, meinte Geschke und schrieb weiter fleißig Autogramme.

Otto-Ulrich Bals Autor
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