Frank Carstens (47) lernte beim VfL Oldenburg das Handballspielen und war in der Bundesliga für GWD Minden aktiv, wo er seit 2015 Trainer ist. Er arbeitete auch beim OHV Aurich und SC Magdeburg sowie als Co-Trainer der deutschen Nationalmannschaft. Exklusiv für diese Zeitung kommentiert er die Spiele der WM 2019.DPA-Bild: Wolf

Das war ein souveräner Auftritt des deutschen Teams war das beim 30:19-Sieg gegen Korea. Das war sicher von der mentalen Seite nicht einfach, eine gewisse Unsicherheit ist bei einem Auftaktspiel einer Heim-WM natürlich da. Aber die deutsche Mannschaft hat den Leistungsunterschied deutlich gemacht. Die Abwehr hat über 60 Minuten gut verteidigt, die Koreaner sind eigentlich nur mit ihren Hüftwürfen durchgekommen.

Im Angriff war die Chancenauswertung nicht überragend, das muss noch besser werden. Aber das ist in so einem Spiel normal. Im Grunde war das ja ein weiteres Vorbereitungsspiel, unter verschärften mentalen Bedingungen. Trainer Christian Prokop hat das 60 Minuten lang genutzt, um viele taktische Varianten zu spielen, die wir im Turnier so sehen werden. Zum Beispiel hat er mal mit sieben Feldspielern spielen lassen, eine Variante mit Linkshänder auf der Spielmacherposition und auch ohne Linkshänder auf Rechtsaußen haben wir gesehen. Neue Spielsysteme im Positionsangriff habe ich sonst nicht gesehen. Korea war aber ohnehin nicht in der Lage, die deutschen Spieler aufzuhalten.

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Es sind ja auch alle Spieler zum Einsatz gekommen – was sehr gut ist! Aber durch die vielen Wechsel bei den Spielern und taktischen Ausrichtungen kann sich eben auch nicht dieser Automatismus einstellen. Das wird sich in den nächsten Spielen ändern und dann wird es auch eine bessere Chancenauswertung geben – das ist gegen bessere Gegner einfach nötig. Am Samstag gegen Brasilien zum Beispiel. Die haben ein erfahrenes Team. Viele Brasilianer spielen in Europa. Das wird ein engeres Spiel werden.

Interessant fand ich im Duell gegen Korea ich zwei Dinge: Zum einen, dass Prokop nie mit drei Kreisläufern auf der Platte gespielt hat. Jannik Kohlbacher kam nur zum Einsatz, wenn einer des im Innenblock gesetzten Duos Patrick Wiencek/Hendrik Pekeler draußen war. Und zum anderen, dass Martin Strobel verteidigt hat. Das macht er sonst in der Nationalmannschaft nie. Nicht, dass er das nicht kann! Aber Spielmacher brauchen zwischendurch auch den Austausch mit dem Trainer. Ich bin gespannt, ob Prokop das in den nächsten Partien auch so spielt.

Allerdings: Wenn man im Tempogegenstoß nur mit einem Rückraumspieler in den Angriff geht, leidet oft die Ballsicherheit. Und das deutsche Team muss über Tempogegenstöße kommen, das ist der Schlüssel gegen Teams auf Augenhöhe. Deutschland hat nicht die überragenden Einzelkönner, wie Frankreich oder Dänemark, die auch aus einem Positionsangriff einfache Tore erzielen können.

Ein Wort zu den Schiedsrichtern: Es ist klar, dass sie vor einer WM gebrieft werden – das hat man deutlich gesehen. Das dänische Gespann ist das souveränste der Welt, absolut erfahren. Und selbst die sind ins Schwimmen geraten und haben letztlich ihre Linie verlassen. Die Rote Karte gegen Dong-Hyun Jang nach einer Aktion mit Steffen Fäth war ein Witz. Da hatte der deutsche Angreifer eher die Aktien in dem Kontakt. Auch weitere Aktionen wurden sehr streng gepfiffen. Es ist gut, dass es eine schärfere Auslegung gegen Schubsen in der Luft und Griffe ins Gesicht geben muss. Aber es muss im Rahmen bleiben, sonst kann gar nicht mehr verteidigt werden. Das ist Handball, kein Basketball. Aber die Schiedsrichter haben das anschließend gut korrigiert – im Sinne des Handballspiels.

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