GUMMERSBACH Auch im Moment seines großen Triumphes blieb Heiner Brand sich treu. Während Handball-Deutschland nach dem Weltmeistertitel im kollektiven Freudentaumel versank, feierte der Trainer das Wintermärchen von 2007 auf seine Art: zurückhaltend, bodenständig, bescheiden. Es waren magische Momente wie jener am 4. Februar 2007, die den Gummersbacher zur deutschen Handball-Legende aufsteigen ließen. Überschattet wurde eine der großen Karrieren des deutschen Sports, die an diesem Sonntag mit einer Gala in Mannheim endet, allerdings von einer Tragödie.

Es sind die Ereignisse vom 30. März 1979, die sich bei Brand ins Gedächtnis gebohrt haben und ihn bis heute prägen. Als Kreisläufer des VfL Gummersbach musste Brand mit ansehen, wie sein Freund und Mitspieler Joachim Deckarm (inzwischen 58 Jahre) im ungarischen Tatabánya auf dem Feld unglücklich stürzte und seither an einen Rollstuhl gebunden ist. „Das war das Schlimmste, was ich in meiner Karriere erlebt habe. Den Unfall habe ich bis heute eigentlich nie so richtig verdaut“, sagte Brand.

Der Handball war Brand quasi in die Wiege gelegt worden. Weil auch seine beiden älteren Brüder für Gummersbach auf Torejagd gingen, blieb dem jungen Heiner keine Wahl. Bereits mit sieben Jahren trat er den VfL-Handballern bei.

Schnell wurde klar, dass er mit einem überdurchschnittlichen Talent gesegnet war. Als er Jahre später in der Bundesliga-Mannschaft des VfL anfing, bekam er zunächst kein Gehalt, sondern einen Kredit für ein Auto in Höhe von 1500 Mark. Den musste er mit monatlich 100 Mark von seinem Fahrgeld abstottern.

Bittere Niederlagen lernte Brand in seiner zweiten Karriere kennen. Als Trainer der Nationalmannschaft scheiterte er im Endspiel der EM 2002 als auch im Finale der WM 2003, bevor er bei der EM 2004 seinen ersten Titel einfuhr.

Der Höhepunkt als Bundestrainer folgte dann bei der WM 2007 im eigenen Land. Die ganze Nation saß gebannt am Fernsehschirm, als die deutsche Mannschaft das Finale gegen Polen gewann und Brand als erster Handballer nach dem WM-Titel als Spieler (1978 in Dänemark) auch als Trainer triumphierte. „Der WM-Titel hier direkt vor der Haustür in Köln hatte schon einen besonders hohen Stellenwert für mich“, sagte der 59-Jährige.

Nach dem zehnten Platz bei der EM 2010 und dem elften bei der WM 2011 trat Brand im vergangenen Sommer nach über 14 Jahren als Bundestrainer zurück und wechselte ins Management des Verbands.

Seine Sportschuhe wird Brand bei seinem Abschiedsspiel an diesem Sonntag (17.30 Uhr/Sport 1) zwar nicht noch einmal schnüren, beim Treffen mit den alten Weggefährten werden allerdings reichlich Erinnerungen hochkommen – Tränen nicht ausgeschlossen. „Ich hätte kein Problem damit. Wehmut gehört dazu, auch wenn die äußere Hülle das nicht so sehr vermuten lässt“, sagte Brand.

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