Saarbrücken Seine Augen funkeln und schauen neugierig, sein Händedruck ist fest, sein Lächeln etwas schief. Joachim Deckarm lässt sich aus dem Rollstuhl in einen Stuhl am Tisch helfen und greift zum Apfelsaftglas mit Strohhalm. „Ich glaube, dass ich ein gutes Leben führe“, sagt er. An diesem Sonntag wird der einst beste Handballer der Welt 60 Jahre alt. Zu seinem Geburtstag kommen über 100 Ehrengäste, darunter die Weltmeistermannschaft von 1978. „Wir feiern – ein bisschen“, sagt der Jubilar schelmisch.

Fast 35 Jahre nach seinem folgenschweren Unfall beim Europacupspiel des VfL Gummersbach im ungarischen Tatabanya ist Deckarm mehr als einfach nicht vergessen: Durch seinen bedingungslosen Willen und seinen Optimismus, Dinge wieder lernen zu können, die er durch sein schweres Schädel-Hirn-Trauma verloren hat, ist er „das Symbol eines unermüdlichen Kampfes geworden“. So sagt es Bernhard Bauer, Präsident des Deutschen Handball-Bundes (DHB). „Depressionen habe ich nie gehabt“, erklärt Deckarm selbst.

Nur zum Mittagsschlaf und nachts ist er alleine in seiner Wohnung im Haus der Parität in Saarbrücken, ausgestattet mit einem Notrufknopf am Bett. Etwa 70 000 Euro kostet die Betreuung im Jahr, aufgebracht wird sie vom Joachim-Deckarm-Fonds unter dem Dach der Deutschen Sporthilfe. Schon im siebten Jahr pflegt Nicole Rosche ihn hauptamtlich.

An das Unglück kann sich der 104-fache Nationalspieler nicht erinnern, den Film möchte er nicht sehen. Deckarm musste alles wieder lernen, sich bewegen, sprechen. Sein Ziel war immer, wieder alleine gehen zu können. „Wenn es so bleibt, wie es ist, fände ich es ganz gut“, sagt er.

Deckarm ist für Außenstehende manchmal schwer zu verstehen, sein Kopf sinkt nach einigen Minuten oft auf die rechte Seite. Aber er führt ein selbstbestimmtes Leben und wird 2015 in ein neues Appartement im alten Stadtbad Saarbrücken ziehen, wo ein Drei-Generationen-Haus entsteht. Der Ex-Sportler trainiert zwischen 20 und 24 Stunden in der Woche. Er schwimmt, klettert, radelt auf dem Ergometer, macht Gymnastik. Seine Devise: „Ich will, ich kann, ich muss.“ Er spielt Schach und Skat, schaut Nachrichten im Fernsehen. Einem Handball-Spiel heute zu folgen, überfordert ihn jedoch – es ist zu schnell.

Auf die Frage, was ihm Kraft gibt, sagt Deckarm: „Die Vorstellung, dass ich allen ein Vorbild sein will.“ Er stürze auch nicht in eine Krise, wenn er jetzt 60 werde. Wie er sich dabei fühle? „Keine Ahnung. Ich war ja noch nie 60“, sagt er und grinst.

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