Großenkneten Wilfried Papenhusen war seiner Sache offenbar sehr sicher. Mit einem Korb voll Champagner betrat der Vorsitzende des Bündnisses MUT (Mensch, Tier, Umwelt) kurz nach elf Uhr den Ratssaal im Rathaus Großenkneten. Dort waren seit acht Uhr zwölf Mitarbeiter der Gemeindeverwaltung mit der Auszählung der Stimmen beschäftigt.

Und lange sah es nach einem Kopf-an-Kopf-Rennen aus. Die Stapel der Ja- und die der Nein-Stimmen wuchsen parallel. Als ab 11.15 Uhr mit den Stimmzetteln erst Hunderter- und dann Fünfhunderter-Stapel gebildet wurden, stieg die Laune der zahlreichen anwesenden Schlachthofgegner zusehends. Und als Wahlleiterin Antje Oltmanns bei der öffentlichen Auszählung acht Fünfhunderter-Stapel auf der Nein-Seite gebildet hatte, entkorkte Papenhusen die erste Flasche Champagner.

„Das ist hier heute eine Entscheidung von bundesweiter Bedeutung“, meinte Papenhusen. „Die Bürger haben begriffen, dass sie sich von der Agrar-Industrie nicht alles gefallen lassen müssen“, so der MUT-Vorsitzende.

Während die Gegner „Oh, wie ist das schön“ im Ratssaal sangen, stellte Bürgermeister Thorsten Schmidtke (SPD) fest, dass über das Ja oder Nein einer Schlachtereiansiedlung aber nur der Gemeinderat entscheide. „Die CDU-FDP-Mehrheitsgruppe hat ja im Vorfeld erklärt, dass sie sich an den Bürgerwillen halten will. Ich gehe davon aus, dass das so bleibt.“

Schmidtke selbst machte keinen Hehl daraus, dass er nichts von einer Hähnchenschlachterei in Ahlhorn halte. „Zusätzliche Stallbauten, zusätzlicher Verkehr, die Grundwasserproblematik und keine qualitativ hochwertigen Arbeitsplätze – die Nachteile überwiegen eindeutig.“ Was ihn aber freute, war die enorme Beteiligung. „Das Verfahren hat uns 15 000 Euro und viel Arbeit gekostet. Das war es wert. Aber wenn nur 1000 Bürger abgestimmt hätten, wären wir sehr enttäuscht gewesen.“

Am 18. November werde sich nun zunächst der Planungs- und Umweltausschuss mit der Bürgerbefragung befassen. Danach dann der Gemeinderat. Dass es da noch eine Überraschung gibt, ist unwahrscheinlich. FDP-Fraktionsvorsitzende Imke Haake blieb am Montag dabei, dass nach der Bürgerbefragung das gelte, was man vorher gesagt habe. „Wir akzeptieren das Votum“. Gleichwohl fürchtet sie, dass die gesamte Gemeinde die Entscheidung zu spüren bekommen werde. Auch die CDU wird den Bürgerwillen umsetzen. „Wir halten selbstverständlich, was wir vorher gesagt haben“, hieß es.

Das Landesnetzwerk Niedersachsen – Bauernhöfe statt Agrarfabriken – sprach hingegen von einer „großen Signalwirkung über den Nordwesten hinaus“.

Rückblick: Da er am Stammsitz Wildeshausen keine Möglichkeiten zur Modernisierung und Expansion sah, fühlte Investor Walter Kreienborg schon vor gut zwei Jahren bei der Gemeinde vor. Gemeinsam mit der Putenschlachterei Heidemark wollte er Synergien nutzen bei Abwasserklärung und beim Tiefkühlen des Geflügels. Im Bürgermeisterwahlkampf Anfang des Jahres wurde die Schlachterei das große Thema. Gegner Thorsten Schmidtke (SPD) fuhr einen klaren Sieg ein – auch mit dem Versprechen, die Schlachterei möglichst zu verhindern.


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Jasper Rittner Redaktionsleitung / Redaktion Westerstede
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